Arzneimittel-Tests

Kommentar: Schutz der Patienten

Das Thema ist heikel. Nicht nur für deutsche Mediziner, Pharma-Hersteller und Politiker. Arznei-Tests an Patienten sind nötig, in Europa aber nur noch schwer möglich. Für nationale Studien sind die Länder zu klein, um genügend Versuchspersonen stellen zu können.

Bei grenzüberschreitenden Studien unterliegen die Mediziner nationalen Auflagen, die sich bis zum Irrwitz unterscheiden. Deutschland hat - nicht zuletzt aus großer historischer Verantwortung - ein nahezu beispielloses Niveau für solche klinischen Überprüfungen neuer Präparate geschaffen. Es wäre verrückt, wenn Brüssel mit einem aus gutem Willen zur Harmonisierung geborenen Gesetzentwurf diesen nahezu lückenlosen Schutz für Probanden zerschlagen würde. Das kann und das darf niemand wollen.

Deshalb muss die Kommission auch nachbessern. Unabhängige Experten, die Versuche vorher genehmigen, strikter Schutz bei Tests für Medikamente für Kinder, Behinderte, Demenz-Kranke - all das ist kein Luxus. Wenn Europa Vorreiter in sicherer Forschung sein will, müssen diese Pfeiler künftig für die ganze Gemeinschaft gelten. Das wäre eine Harmonisierung, die fortschrittlich ist.

Dagegen sperrt sich auch niemand, nicht einmal die Pharma-Branche selbst. Die ersten Stellungnahmen der Hersteller zeigen nämlich, dass man durchaus bereit ist, dieses hohe Level für Studien zu akzeptieren. Denn die Unternehmen wissen sehr genau, dass ihre Forschungen dann auch auf dem globalen Markt eine hohe Glaubwürdigkeit haben. Wer dagegen Probanden unter der verarmten afrikanischen oder asiatischen Bevölkerung rekrutiert, der sollte wissen, dass die Seriosität seiner Untersuchungen nicht gegeben ist. Und dass er mit Ergebnissen, die er dort gewonnen hat, in Europa kein Zulassungsverfahren beantragen darf. Forschung und somit auch klinisch anspruchsvolle Versuche müssen möglich sein. Das steht außer Frage. Am Schutz der Patienten aber darf es keine Abstriche geben.

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