Aschewolke und die Folgen

Kommentar: Kätzchen aus dem Vulkan

Geht es um Glühbirnen, ist die Europäische Union schnell mit einheitlichen Vorschriften zur Hand. Geht es dagegen um die Sicherheit von Fluggästen und die Stabilität des internationalen Handels, kann die Gesetzgebung schon mal Jahre dauern. Das ist peinlich. Von Johannes Bruggaier

Ein Jahr ist es her, dass der isländische Vulkan Eyjafjallajökull halb Europa in die Knie zwang. Die Verluste waren milliardenschwer. Und: Sie waren ungleichmäßig verteilt. Denn ob ein Flieger abheben durfte oder nicht, war Interpretationssache der nationalen Regierungen. So konnte es passieren, dass ein deutsches Zulieferunternehmen seine Ware nicht los wurde, während sich die europäische Konkurrenz ihre Marktanteile sicherte. Unternehmer schwitzten, Politiker rangen mit den Schreckensszenarien: Flugzeugabsturz einerseits, Wirtschaftskrise andererseits, dazwischen nichts als Asche.

Heute wäre beiden zu helfen, und zwar mit europaweit verbindlichen Grenzwerten. Doch dabei geht es nicht um Leuchtmittel, sondern um handfeste Firmengewinne. Für eine verlässliche Datengrundlage müssten nämlich Triebwerkshersteller die Aschebelastung ihrer Produkte testen. Keine große Sache – wäre da nicht das Kleingedruckte. Denn mit einem offiziellen Testergebnis wären juristische Konsequenzen verbunden, die Unternehmen müssten künftig ein Haftungsrisiko tragen. Das wollen sie nicht, deshalb lassen sie es sein. So einfach ist das, jedenfalls in Europa.

Im Umgang mit Lampen ist die EU ein Königstiger. Gegenüber Wirtschaftsunternehmen ist sie ein Kätzchen.

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