Konzerne überfordert

Kommentar: Atomare Altlasten werden teuer

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Chefredakteur Frank Pröse

Wie war das noch mit dem billigen Atomstrom? Solange wettbewerbsverzerrende Subventionsmilliarden, vorausschauender Rückbau der Meiler und verantwortungsbewusst einkalkulierte Endlagerung beim Strompreisvergleich ausgeklammert wurden, ging die Rechnung für die Stromkonzerne auf. Von Frank Pröse 

Nachdem sie durch den nach Fukushima beschlossenen Atomausstieg sukzessive ihrer Gelddruckmaschinen beraubt werden, stellt sich nun aber die Frage, ob die Stromer die anstehenden Abbruch-, Entsorgungs- und Endlagerkosten bewältigen können. Noch im vergangenen Oktober gab Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Entwarnung: „Die Vermögenswerte der Unternehmen decken in Summe die Finanzierung des Rückbaus der Kernkraftwerke und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle ab“, sagte er auf Basis eines bei Wirtschaftsprüfern bestellten „Stresstests“ der Atomkonzerne.

Wenige Monate später wird plötzlich ein erhöhtes Risiko für die Steuerzahler erkennbar: Die Rückstellungen der Konzerne reichen nicht aus, acht Milliarden oder 17 Prozent fehlen zur Deckung der Kosten. Da ist es wenig tröstlich, dass europaweit nur 56 Prozent Deckung festgestellt wurde. Da fehlen mal eben 130 Milliarden Euro, und auch das ist nur über den Daumen gepeilt, weil kein Mensch allein angesichts der Endlager-Folgekosten ein verbindliches Preisschild auszeichnen kann. Es kommt also, wie es kommen musste: Die Gewinne sind privatisiert, die Verluste wird zu einem großen Teil der Steuerzahler tragen müssen. Der aktuell empfohlene Entsorgungs-Finanzpakt dient nur der Verschleierung. Das damit auch das Insolvenzrisiko der großen vier Atomkonzerne minimiert werden soll, offenbart, auf welch wackligen Füßen das Rückstellungsmodell von Anfang an gestanden hat. Zur Stützung werden die Steuerzahler beitragen müssen. Immerhin sehen sie dann klarer, was die Kilowattstunde Atomstrom untern Strich gekostet hat.

Bilder aus der Todeszone von Fukushima

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