Backnang: Türkei fordert Aufklärung

Kommentar: Misstrauen gesät

Mölln, Solingen, die lange unaufgeklärt gebliebenen NSU-Morde - das sind Chiffren für in Deutschland an Türken begangene Verbrechen, die sich tief in das kollektive türkische Gedächtnis eingebrannt haben. Von Georg Anastasiadis

Dass Ankara nach der Brandkatastrophe von Backnang wiederum aufmerksam nach Deutschland blickt, sollte deshalb niemanden verwundern.

Verwunderlich allerdings ist der Ton, in dem die deutschen Ermittler nun von türkischen Politikern angehalten wurden, den „wahren Grund des Brandes ohne Platz für Zweifel“ aufzuklären - und das zu einem Zeitpunkt, da am Unfallort noch der Rauch aufstieg. In solchen Verlautbarungen schwingt ein Generalverdacht mit, der unter Partnern unangebracht und überdies geeignet ist, neues Misstrauen zwischen Deutschen und hier lebenden Türken zu säen. Der Feuertod von acht Menschen ist schlimm genug. Die Ermittler werden die Ursache der Katastrophe sehr genau untersuchen. Auch ohne entsprechende Aufforderungen aus Ankara.

Ganz mag die AKP von Premier Erdogan der Versuchung offenbar nicht widerstehen, erneut in die Rolle der Schutzmacht der zwei Millionen in Deutschland lebenden Türken zu schlüpfen und dabei auch die schändlichen NSU-Morde in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Bei allem Verständnis für innenpolitische Motivlagen: Wer so tut, als hätten Deutschlands Türken Hilfe aus Ankara nötig, erweist der Integration keinen guten Dienst.

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