Wunsch und Wirklichkeit

Kommentar zu den Bahnstreiks

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Zwischen Gewerkschaften, großen wie kleinen, sind nicht nur solidarische Brüderlichkeit, sondern auch ein gerüttelt Maß an Konkurrenz- und Machtdenken an der Tagesordnung. Das ist normal. Von Alexander Weber

Schwierig wird es allerdings, wenn dieser innergewerkschaftliche Revierkampf solche Formen annimmt wie im jetzigen Tarifstreit bei der Bahn. Der Chef der Lokführergewerkschaft Weselsky kündigt nach bereits spürbaren Arbeitsniederlegungen im Oktober weitere bis zu 91 Stunden Arbeitskampf an. Hunderttausende Bahnkunden – vom Fahrgast bis zum Güterverkehr – werden so erneut Opfer innergewerkschaftlicher Profilierungspolitik.

Mag man die hartnäckige Interessensvertretung der GDL für die Lokführer nachvollziehen können, im Punkt der Zugbegleiter kann man dies (noch) nicht. Denn IG-Metall-Chef Wetzel hat Recht, wenn er betont, man könne nur dort Vertretungszuständigkeiten beanspruchen, wo man auch die entsprechend hohe Zahl an Mitgliedern hat.

Diesen Nachweis, dass die GDL nicht nur die Mehrheit der Lokführer, sondern auch eine hohe Quote an Zugbegleitern vertritt, ist Weselsky bisher schuldig geblieben. So lange dies so bleibt, kann er für diese Art Machtkampf keine Sympathie gewinnen. Ein solches Verhalten wirft die Frage der Verhältnismäßigkeit eines Tarifkampfes auf. Ein Land wie Deutschland darf nicht auf Schiene und Straße (durch Ausweichverkehr) lahmgelegt werden, nur weil Weselsky Wunsch mit Wirklichkeit verwechselt.

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