Eine Pleite für alle

Kommentar: Banken loten Fusion aus

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Frank Pröse

Es kommt, wie es kommen musste, zumal die Politik die Debatte schon seit Monaten befeuert. Mit Deutscher Bank und Commerzbank sollen sich zwei lahme Banken zusammenfinden, über die oft überschätzten Synergieeffekte ihre Krücken wegwerfen und so über den aufrechten Gang wieder ins Laufen kommen. 

Wer über Dekaden nicht mit Geld umgehen kann, wer die Herausforderungen an den Finanzmärkten beispielsweise durch Wirecard oder Paypal konsequent falsch einschätzt, wer wie die in Milliardenboni badenden Manager der Deutschen Bank so schlecht wirtschaftet, dass der Unternehmenswert binnen weniger Jahre um etwa 80 Prozent in den Keller rauscht, der wird auch mit einem ohne staatliche Hilfe kaum überlebensfähigen Kandidaten nicht aus dem Quark kommen. Dazu passt, dass die Deutsche Bank auch Fusion nicht gerade gut kann, wie das Beispiel Postbank zeigt.

Deutschlands einstige Vorzeigebanken sind längst keine Big Player mehr. Sie werden es auch nicht nach einem Zusammenschluss, dazu ist die Konkurrenz zu weit enteilt. Da stellt sich der Laie, der schon ahnt, dass ihm in die Tasche gegriffen wird, die Frage, warum beispielsweise die Deutsche Bank nicht aufgekauft wird. Die Antwort ist simpel: Sie ist selbst zum derzeitigen Schnäppchenpreis nicht attraktiv, eben weil sie in Trümmern liegt.

Wer will sich schon die unzähligen juristischen Verfahren um Milliardensummen aus mutmaßlich unsauberen Geschäften um den Hals hängen oder die zum großen Teil hoch spekulativen Risiken eines Derivatevolumens von knapp 50 Billionen Euro. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Dominoeffekt, den die Lehman Bank mit ihren Derivaten zu Beginn der letzten Finanzkrise ausgelöst hat.

Die Bankenwelt hat die Deutsche Bank mangels Masse abgeschrieben. Am Leben gehalten werden soll das in atemberaubender Geschwindigkeit heruntergewirtschaftete Institut jetzt durch eine Fusion mit der Commerzbank, an der die Bürger schon mit gut 15 Prozent Anteil mit im Boot sitzen, was wiederum das große Interesse des Bundes am Gelingen der Transaktion erklärt.

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Also ist der Steuerzahler auch nach einem Zusammenschluss mit an Bord und wird im Falle einer Krise mit dem Argument, die Fusionsbank sei zu groß und für die Exportwirtschaft zu bedeutend, um sie pleite gehen zu lassen, ein weiteres Mal zur Kasse gebeten. Mit mindestens 18 Milliarden Euro war er ja bereits bei der letzten Finanzkrise mit von der Partie. Das, was sich da seit gestern konkret anbahnt, dürfte zur Pleite für alle werden, für die Politik, fürs Management, die Beschäftigten und letztlich für den Steuerzahler.

Von Frank Pröse

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