Notsignale erkennen

Kommentar zum Bericht über Kindesmissbrauch

Dem Bericht der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sollte ein Aufschrei folgen, sich endlich mehr für Mädchen und Jungen zu engagieren. Von Peter Schulte-Holtey

Es ist eben kein Rand- oder Schmuddelthema. Betroffene gibt es in allen gesellschaftlichen Schichten. Dabei ist das Leid der Kleinen unbeschreiblich. Wenn die Täter – wie so oft – aus dem familiären Umfeld stammen und etwa die Väter sind, fühlen sich die Kinder zerrissen, weil sie – wie eine Betroffene in dem Kommissionsbericht erzählt – den Täter gleichzeitig lieben und hassen. Eine furchtbare Situation. Von „Mord an Kinderseelen“ ist die Rede.

Wir haben uns zwar längst daran gewöhnt, regelmäßig von solchen Horror-Übergriffen auf die Schwächsten zu hören. Wir sollten uns aber vor Abstumpfung hüten – und endlich eine breitere Debatte über sexuellen Missbrauch beginnen. Nichts darf dabei ausgelassen werden. Auch sexistische, frauenfeindliche Redewendungen, Übergriffe mit dem Foto-Handy oder im Internet-Chat und Belästigungen sind Sex- Übergriffe, die das Selbstbestimmungsrecht verletzen.

Es wird höchste Zeit, ein Klima der Offenheit zu schaffen, damit sich die Opfer trauen, ihre Leidensgeschichte zu erzählen – damit der Staat mit drastischen Strafen reagieren kann.

Archivbilder:

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Neben dem Ausbau der Hilfen muss zugleich die Prävention viel stärker in den Fokus rücken. Erzieher, Lehrer und Eltern sind gefordert, sensibel – zum Beispiel – auf die „kleinen Notsignale“ zu achten, auf Veränderungen im Kindesverhalten.

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