Bildungspolitik

Kommentar: Bremsklötze beseitigen

Unterschiedliche Lehrpläne und Lehrerausbildungen, 16 Schulsysteme: Eltern, Lehrer und Schüler bekommen die Nachteile des Föderalismus in Deutschland immer dann besonders deutlich zu spüren, wenn sie in ein anderes Bundesland umziehen. Seit langem gibt es die Klagen. Von Peter Schulte-Holtey

Einen Weg, wie man es besser machen könnte, zeigen jetzt drei Bundesländer auf. Ein Staatsvertrag soll Erleichterungen bringen. Leider ist Hessen nicht dabei. Dabei wird im Kultusministerium in Wiesbaden übersehen, dass man mit vertraglichen Regelungen, wie sie Bayern, Sachsen und Niedersachsen anstreben, Flagge zeigen könnte. Denn bislang steht ja die Vereinbarung von 2012 zu bundesweit geltenden Bildungsstandards für zentrale Schulfächer und zur gegenseitigen Anerkennung der verschiedenen Lehramts-Abschlüsse nur auf dem Papier. Ein von den einzelnen Landesparlamenten getragener Staatsvertrag hat eine größere Verbindlichkeit als bloße Beschlüsse der Kultusministerkonferenz.

Dass zumindest die drei Bundesländer auf dem richtigen Weg sind, werden auch viele Pädagogen und Familien bestätigen. Mit der gegenseitigen Anerkennung der Lehrerexamen tun sich die Bundesländer ja seit Jahrzehnten schwer. Während einige Länder bei der Lehrerausbildung auf das 1. Staatsexamen verzichten, ist es in Bayern noch immer der Regelfall. Und mit dem neuen Vorstoß könnte mit noch größerer Energie verhindert werden, dass die Zahl der bildungspolitischen Experimente, die bei wechselnden Landtagsmehrheiten in schöner Regelmäßigkeit auf dem Rücken der Schüler, Lehrer und Eltern ausgetragen werden, weiter wächst. Wenn dann zusätzlich noch das unselige Kooperationsverbot, das es dem Bund verbietet, die Länder in der Bildung zu finanzieren, aufs Abstellgleis geschoben würde, wäre man einen entscheidenden Schritt weiter - in Richtung Bildungsgerechtigkeit und -gleichheit.

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