Chen, China und die USA

Kommentar: Fragwürdige Aktion

Chen Guangcheng hat allen Grund, daheim um seine körperliche Unversehrtheit zu fürchten; schließlich war der allmächtige chinesische Sicherheitsapparat nicht in der Lage, einen Blinden (!) an der Flucht in die US-Mission zu hindern, und steht jetzt blamiert da. Von Lorenz von Stackelberg

Während in der vielbewunderten Glitzerfassade der Wirtschafts-Supermacht – mal wieder – ein breiter Riss klafft, hinter dem die Fratze einer brutalen Diktatur sichtbar wird. Den Zorn der roten Mandarine in Peking kann man sich lebhaft vorstellen.

Aber auch die USA hat Chens spektakulärer Coup eiskalt erwischt: Bei diversen weltpolitischen Brandherden – Iran, Syrien oder Nordkorea – ist der US-Präsident, der sich überdies im Wahlkampf befindet, auf chinesische Kooperationsbereitschaft angewiesen. Hängt Barack Obama die Causa Chen so hoch, wie sie es verdient, braucht er auf Entgegenkommen wohl nicht mehr zu zählen. Agiert er betont zurückhaltend, liefert er seinen politischen Gegnern eine Steilvorlage.

Diese für beide Seiten schmerzhafte Gemengelage – im Pekinger Führungszirkel tobt auch noch ein Machtkampf – sorgt jetzt offenbar dafür, dass der störende Kritiker diskret ins Ausland entsorgt wird. Angesichts einer bedrohlichen Weltlage ist das beruhigend; aus dem Blickwinkel der Menschenrechte allerdings höchst fragwürdig.

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