Erhebliche Mitschuld

Kommentar: Datenskandal um Facebook

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Christoph Zöllner

Der aktuelle Skandal um Facebook kommt zwar wenig überraschend, steht aber dennoch für eine neue Dimension des Datenmissbrauchs im Internet-Zeitalter. Das sogenannte soziale Netzwerk scheint zum perfiden Propaganda-Instrument zu verkommen. Von Christoph Zöllner

Es geht um die mögliche Manipulation einer Wahl und somit ein Rütteln an den Grundfesten der Demokratie. Facebook wäre in diesem Fall kein Opfer, wie es sich selbst gern darstellt, sondern trüge eine erhebliche Mitschuld. Der Internet-Riese ist längst zu einer beispiellosen Macht herangewachsen, die von innen heraus nicht mehr kontrollierbar scheint.

Bislang hat die internationale Politik, die sich um die passenden Rahmenbedingungen zu kümmern hat, mit dem Tempo des digitalen Wandels nicht Schritt halten können oder wollen. Die Ereignisse um Cambridge Analytica zeigen einmal mehr, dass sie das Heft des Handelns an Giganten wie Facebook abgegeben hat. Datenschutz? Ethik? Regulierung? Klingt nach Mottenkiste.

Politiker hecheln im digitalen Zeitalter den Entwicklungen hinterher und verspüren dabei noch nicht einmal den Druck ihrer Wähler. Denn die meisten Nutzer von Smartphones, Tablets und Co. vergessen angesichts der neuesten Gadgets alle Bedenken, persönliche Daten preiszugeben. Immer nach dem Motto „Ich hab’ doch nix zu verbergen“ nutzen sie willfährig Gesichtserkennung und Standortbestimmung, lassen ihren Schlaf überwachen und ihre Schritte zählen, verschicken zwecks Ahnenforschung ihren genetischen Fingerabdruck und holen sich mit Smart-TVs und Sprachassistenten auch noch Wanzen ins Wohnzimmer. Komfort geht vor Persönlichkeitsschutz.

In der undurchsichtigen Welt der Algorithmen und Filterblasen dauert es offenkundig sehr lange, bis der Verbraucher einmal aufschreckt. Was vor drei Jahrzehnten noch Hunderttausende auf die Straßen getrieben hätte – Stichwort: Volkszählung –, entlockt heute oft nur noch ein gleichgültiges Gähnen.

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Doch wer den Drachen streichelt, muss sich nicht wundern, wenn dieser irgendwann Feuer speit. Es ist höchste Zeit, dass wir uns gegen die Bedrohung unserer Freiheit zur Wehr setzen. Wir sollten die Internet-Riesen nicht nur zwingen, mit Steuern ihren Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten, wir müssen ihnen auch ihre Grenzen aufzeigen. Facebook (mitsamt Whatsapp und Instagram) wäre ein Anfang.

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