Aufklären an erster Stelle

Kommentar: Debatte zu Mindesthaltbarkeitsdatum

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Es ist eine gigantische Verschwendung: Weltweit landen laut den Vereinten Nationen rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Dabei hungern gleichzeitig etwa 870 Millionen Menschen. Von Siegfried J. Michel

Auch wir Deutschen sind an dieser Verschwendung, die auch Ressourcen wie Wasser und Anbaufläche betrifft, kräftig beteiligt: Statistisch werfen wir im Jahr pro Kopf 82 Kilo Nahrungsmittel in die Tonne. Schlimm dabei auch: Viele dieser Lebensmittel sind gar nicht vergammelt. Doch viele Bürger meinen beim Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, die Ware sei nicht mehr genießbar. Das aber ist ein großer und kostenträchtiger Irrtum. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis zu welchem Datum mindestens das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält. Es ist also kein Verfallsdatum, sondern lediglich die Garantie des Herstellers für bestimmte Qualitätseigenschaften.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt schlägt nun vor, das Mindesthaltbarkeitsdatum bei einigen sogenannten dauerhaltbaren Produkten wie z.B. Zucker, Getreide oder Salz zu streichen. Sinnvoller sei es, meint der CSU-Politiker, stattdessen das Produktionsdatum anzugeben. Das aber ist kein guter Lösungsweg und zudem nicht verbraucherfreundlich. Denn nicht jeder Konsument weiß, ob es sich bei diesem oder jenen Produkt um ein dauerhaltbares handelt. Der Verbraucher müsste in dieser Frage also erst recherchieren, und weil vielen dies wohl zu aufwändig ist, wird nach dem Blick auf das eventuell zahlreiche Monate zurückliegende Produktionsdatum das Lebensmittel dann vorsorglich doch entsorgt. Also Finger weg von diesem Weg!

Erdbeeren richtig verarbeiten

Ganz wichtig sind in dieser Haltbarkeits-Frage, und das hat glücklicherweise auch Schmidt erkannt, Aufklärung und Information. Das kann schon in der Schule beginnen. Auch Hinweistafeln, dort wo Lebensmittel verkauft werden, zur Begriffserklärung trügen sicherlich zur Erhellung bei. Und auch bei einem klar aufgedruckten Verfallsdatum weiß der Verbraucher, wann ein Nahrungsmittel nicht mehr auf dem Tisch, sondern wirklich in der Tonne landen sollte. Allerdings muss man es so weit gar nicht kommen lassen.

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