Kommentar: Kirche trägt schwere Last

Nachsicht für die Täter und vorsätzliches Vertuschen - unter diesen Stichworten lässt sich das jahrzehntelange Verhalten der katholischen Kirche gegenüber Geistlichen zusammenfassen, die unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern standen. Von Peter Schulte-Holtey

In der Praxis hieß das oft, dass pädophile Priester nicht aus dem Verkehr gezogen wurden, sondern nur in eine andere Pfarrgemeinde versetzt wurden.

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Vergessen ist diese dunkle Phase der katholischen Kirche nicht. Bis zuletzt wurde auch gezweifelt, ob die Bischöfe tatsächlich - wie versprochen - ausreichend durchgegriffen haben. So berichtete der „Spiegel“ jetzt, dass im Bistum Mainz mindestens sieben pädophile Männer als Pfarrer beschäftigt sind; unter ihnen seien zwei wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilte Priester. Auch dies zeigt, dass die Kirche noch immer eine schwere Last trägt und viel intensiver mit sich selbst ins Gericht gehen muss.

Strukturelle Konsequenzen nötig

Die Möglichkeit von Entschädigungszahlungen, von denen auch in Hessen bereits dutzende Opfer Gebrauch gemacht haben, ist nur eine Facette der „Reinigungsarbeiten“. Die Kirche muss sich zudem noch viel lautstarker für die Rolle entschuldigen, die die eigene Hierarchie beim Schutz der Täter auf Kosten der Opfer gespielt hat. Solange die Institution nicht eindeutige strukturelle Konsequenzen zieht, z. B. die Mitsprache von Laien in den Pfarrgemeinden stärkt und eine transparentere Auswahl der Priesteramtskandidaten zulässt, werden sich immer mehr Menschen von dieser Kirche abwenden.

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