Kommentar: Mainzer Vorspiel

Natürlich hat Bahnchef Rüdiger Grube den Zeitpunkt für seinen dramatischen Appell gut gewählt: Die neue Koalition in Berlin befindet sich in den Geburtswehen. Die Sanierung kaputter Bahnbrücken und Stellwerke soll gleich mal eine ihrer vornehmsten Aufgaben sein. Von Ralf Enders

Gleichwohl hat Grube recht, und er ist nicht allein: Erst Anfang Oktober hat eine nach Ex-Bundesverkehrsminister Bodewig benannte Kommission dem Bund empfohlen, ein Sondervermögen aufzulegen, um marode Verkehrswege und Brücken instandzusetzen. 15 Jahre lang jeweils 2,7 Milliarden Euro. Grube spricht von 50 Milliarden Rückstand bis 2020.

Gigantische Summen. Und Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn trägt ein ordentliches Maß Schuld an dem Investitionsstau. Er hat das Unternehmen für den einst geplanten Börsengang zwar schön gemacht, ansonsten aber nicht nur in der Wahrnehmung der Kundschaft eher kaputtgespart. Doch Jammern und Nachkarten bringt nun nichts mehr. Ohne massive Investitionen in das deutsche Verkehrsnetz droht in der Tat ein Kollaps, gegen den das Mainzer Stellwerk-Debakel vom August nur ein kleines Vorspiel war.

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