Verantwortung übernehmen

Kommentar: Deutschland in den Augen der Welt

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Peter Schulte-Holtey

Offenbach - Deutschland ist ein „Global Player“ – aber Schlüsse daraus haben die Politiker in Berlin noch nicht gezogen. Dieses Bild zeichnet eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Es sind aufschlussreiche Antworten, die die GIZ bei einer Befragung von Menschen aus aller Welt bekam. Anders als noch bei der Vorgängerstudie im Jahr 2012 bescheinigten viele Deutschland nun eine internationale Führungsrolle; und sie begrüßen dies sogar ausdrücklich. Zugleich leiten sie daraus aber auch erhöhte Ansprüche ab. Eine Riesenaufgabe!

So ist es schon interessant und bedenkenswert, dass Teilnehmer der Studie beispielsweise Deutschlands Rolle als Vermittler in der Ukraine-Krise kritisieren. Der Vorwurf: Einerseits hat sich das Auftreten der Bundesrepublik positiv von anderen Vorgehensweisen wie denen der USA abgehoben, andererseits verwundert das Zaudern. Stimmt! Neben den aus Moskau gesteuerten Separatisten hat zuletzt nämlich auch Kiew, auf das die Bundesregierung sehr großen Einfluss hat, nicht viel zur Entschärfung der Situation beigetragen.

Die Studie bestätigt einen Eindruck, der sich bei vielen politischen Beobachtern verfestigt: Im Ausland blickt man zunehmend erstaunt auf die Deutschen und ihre Schwierigkeiten, ihre Außenpolitik neu auszurichten. Nicht nur die Verbündeten wünschen und erwarten, dass Berlin mehr Verantwortung übernimmt. Sie fürchten nicht deutsche Führung, sondern deutsches Zögern, fehlende Entschlossenheit.

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