Weltsicherheitsrat

Kommentar: Glanz für Guido

Gemessen an der leicht abgewandelten Weisheit „Wer zahlt, will zumindest mitreden“ ist ein temporärer Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für Deutschland im Grunde genommen eine Selbstverständlichkeit. Von Lorenz von Stackelberg

Selbst eine ständige Vertretung im inneren Zirkel der Weltorganisation ließe sich begründen, aber davor stünde eine grundlegende Reform. Die Zeiten, als die Deutschen behaglich in einer weltpolitischen Nische hausten und stereotyp auf die USA deuteten, wenn es irgendwo auf der Erde brannte, sind längst Geschichte. Das Land hat sich seiner gewachsenen Verantwortung seit dem Ende des Kalten Krieges gestellt.

Heute steht die Bundeswehr an zahlreichen Krisenherden, die Bundesregierung engagiert sich global für Entwicklungsprojekte oder im Klimaschutz, und der finanzielle Beitrag zum Haushalt der UN ist ohnehin über jede Kritik erhaben: Mit rund 170 Millionen Dollar allein in diesem Jahr ist Deutschland drittgrößter Beitragszahler nach den USA und Japan. Das spricht für sich.

Vor diesem Hintergrund in vornehmer Zurückhaltung zu erstarren, während andere bestimmen, würde weder dem politischen Gewicht Deutschlands gerecht noch wäre es auf Dauer dem Steuerzahler zu vermitteln.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der tapfer für den deutschen Sitz geworben hatte, darf sich jetzt im Glanz eines ehrlich verdienten außenpolitischen Erfolges sonnen, der die Kritik an seiner blassen Amtsführung verstummen lassen wird – zumindest für einige Zeit.

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