Dienstwagen als Spritfresser

Kommentar: Von wegen Energiewende

Kaum was dazugelernt: Wie die Deutsche Umwelthilfe in einer Studie moniert, ist die Mehrheit der Dienstwagen deutscher Politiker nach wie vor übermotorisiert und verbraucht daher zu viel Sprit. Von Peter Schulte-Holtey

Auch im fünften Jahr der Erhebung bewegt sich fast nichts. Kein Ressortchef erfülle mit seinem Dienstwagen die geltenden EU-Klimagaswerte von 140 Gramm pro Kilometer, heißt es. Dass keiner der 16 Ministerpräsidenten mit seiner Limousine so viel Kohlendioxid ausstößt wie Volker Bouffier, ist aus hessischer Sicht natürlich besonders prekär. Bei ihren Dienst-Pkw haben viele Spitzenpolitiker die Energiewende, über die sie jetzt so gerne sprechen, also noch nicht in Ansätzen eingeleitet.

Eigentlich sollten die Top-Leute in der Politik eine Vorbildfunktion haben. Eigentlich. Wenn man sich aber ihre Zurückweisung der Vorwürfe durch die Umwelthilfe anschaut, dann könnte man meinen, Klimawandel und hoher CO2-Ausstoß wären nur Themen, die eine kleine - für die Parteien uninteressante gesellschaftliche - Gruppe auf die Palme bringen.

Ein Weckruf ist die Studie allemal. Hoffentlich sind nun auch die letzten zögernden Politiker durch die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Hessen davon überzeugt worden, dass die Energie- und Umweltpolitik für die meisten Wähler das entscheidende Thema geworden ist - dass viele auch von ihren Volksvertretern ökologische Taten im kleinen Rahmen einfordern.

Wünschenswert ist ein entschiedenes Signal aus der Politik, um Flagge zu zeigen (Motto: Wir haben verstanden!) und um den Druck auf Autobauer zu erhöhen, dass sie noch mehr in Zukunftstechnik investieren. Das Bundesverkehrsministerium geht ja mit gutem Beispiel voran und testet bereits Elektro- und Brennstoffzellen-Dienstwagen. Nachahmer werden dringend gesucht. Auch in Hessen.

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