Dioxin-Skandal

Kommentar: Wirklich ekelhaft

Was wirklich ekelhaft ist beim Dioxin-Skandal, ist die Vermutung, dass solche Machenschaften offenbar nicht die Ausnahme, sondern vermehrt in der Lebensmittelindustrie anzutreffen sind - und dass oft nur per Zufall jemand den Übeltätern auf die Spur kommt. Von Peter Schulte-Holtey

Woche für Woche belegen Verbraucherschützer, dass Kunden von Lebensmittelherstellern über den Tisch gezogen bzw. ungenügend über Inhaltsstoffe aufgeklärt werden. Gerade haben wir die Nachricht verdaut, dass Anbieter bei ihren Produkten an den Originalzutaten sparen und stattdessen billigere Ersatzstoffe verwenden; schon nährt die nächste Untersuchung Zweifel an Angaben auf Etiketten. Diesmal lassen wir uns von Dioxin-Eiern und verseuchtem Hühnerfleisch den Appetit verderben.

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Die Ursachen für die vielen Skandale sind zahlreich: menschliches Versagen oder kriminelle Handlungen, lückenhafte Untersuchungen und Tierkrankheiten. Dies macht es so kompliziert, brauchbare Abwehrmechanismen zu finden. Fest steht: Die Hauptverantwortung für sichere Lebensmittel liegt weiterhin bei den Firmen und bei den staatlichen Lebensmittelkontrolleuren. Sie sind gefordert, das Vertrauen der Konsumenten zurückzugewinnen. Eine Sprecherin der Verbraucherorganisation Foodwatch sagte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung fest: „Futtermittelhersteller müssen verpflichtet werden, jede Charge jeder Zutat routinemäßig auf Dioxine zu testen - und zwar bevor die Zutat in das Futter gemischt wird.“ Ein wichtiger Appell, der hoffentlich auf offene Ohren stößt.

Doch auch der Verbraucher kann etwas tun, wenn er sich beispielsweise über auffallende Mängel beschwert - und wenn er sich nicht aus der Verantwortung für die Auswirkungen der industrialisierten Landwirtschaft stiehlt und vermehrt bereit ist, Qualität entsprechend zu bezahlen.

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