Kommentar: Unfaire Behandlung

Eine angeblich als zu dick abgelehnte Job-Bewerberin hat also keinen Anspruch auf Entschädigung. Das Arbeitsgericht Darmstadt lehnte die Klage der Frau ab, die sich diskriminiert fühlte. Von Peter Schulte-Holtey

Es sei nicht bewiesen, dass sie wegen ihres vermeintlichen Übergewichts erfolglos bei der Jobsuche war. Was auffällt: Das Votum der Richterin steht inzwischen gar nicht mehr im Fokus. Die öffentliche Debatte, die durch das Verfahren ausgelöst wurde, ist viel entscheidender. Endlich wird über etwas diskutiert, das die Betroffenen regelmäßig extrem ärgert. Denn Übergewichtige fühlen sich im Alltag und im Job häufig schlecht behandelt. Man macht Witze auf ihre Kosten. Sie sind gefundenes Fressen für Lästermäuler. Und wer gehänselt wird, hat auch oftmals Probleme bei der beruflichen Karriere. Aber warum ist man heutzutage gleich unten durch, wenn man etwas mehr auf den Rippen hat? Weil die schöne neue Medienwelt es so suggeriert? Was auffällt: Die einzigen Dicken, die bei vielen beliebt sind, sind die Komiker.

Vor allem sollte man sich klarmachen, dass die Vorverurteilung übergewichtiger Menschen noch immer nach stereotypen Mustern erfolgt: faul, zu wenig Selbstdisziplin, unkooperativ. Politik und Gesellschaft lassen diese Diskriminierung zu und setzen so übergewichtige Menschen sozialer Ungerechtigkeit, unfairer Behandlung aus. Das ist unerhört, das ist ein dicker Hund.

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