Appell besser als Gebot

Kommentar zur Diskussion über Helmpflicht

Es gibt in Deutschland keine Helmpflicht für Radfahrer. Und es wird auch keine Helmpflicht durch die Hintertür geben - so hat es der Bundesgerichtshof gestern entschieden. Ein sinnvoller Richterspruch. Von Peter Schulte-Holtey

Natürlich ist es klar, dass der Helm für mehr Sicherheit sorgt. Die meisten Eltern lassen ihre Kinder deshalb ja schon jetzt nie ohne Kopfschutz fahren. Auch viele Erwachsene haben es längst gemerkt: An den Helm kann man sich ebenso schnell gewöhnen wie an den Gurt im Auto. Also: Der Appell sollte gehört werden.

Doch gegen die Helmpflicht sprechen mindestens zwei gewichtige Gründe: Je mehr Menschen auf den Straßen radelnd unterwegs sind, umso sicherer wird Radfahren, weil Autofahrer dann quasi überall mit Drahteseln rechnen müssen. Da der Mensch aber bequem ist, ist ein Radlerboom sicherlich nur ohne Helmzwang zu erreichen. Es dürfte unbestritten sein, dass der Pflichthelm viele veranlassen würde, ihr Rad künftig stehen zu lassen.

Zudem müsste ein Gebot, soll es wirken, in ausreichendem Umfang Kontrollen zur Folge hat. Genau an diesem Punkt darf man Zweifel haben. Wer soll denn die Überprüfungen durchführen? Die Ordnungshüter sind doch jetzt schon gar nicht in der Lage, die vielen Radler zu stoppen, die in der Nacht ohne ausreichende Beleuchtung unterwegs sind oder durch Fußgängerzonen rasen.

Nützlicher als eine Helmpflicht ist sicherlich eine Verkehrspolitik, die Radfahren sicherer macht - beispielsweise durch mehr Extra-Wege auf den Straßen, ausreichend abgetrennt vom Straßenverkehr.

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