Kompromisse angesagt

Kommentar zum drohenden Lufthansa-Streik

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Marc Kuhn

Eigentlich ist Deutschland in Europa nicht für Streiks bekannt. Meist werden Tarifkonflikte hierzulande am Verhandlungstisch gelöst. Unter anderem deshalb ist die Bundesrepublik bei internationalen Investoren beliebt. Das hat sich jetzt ein Stück weit geändert. Von Marc Kuhn

Zahlreiche Tarifkonflikte sind eskaliert. Streitereien insbesondere bei der Bahn haben zu Ausständen geführt. Aber auch die Mitarbeiter bei der Post sind wochenlang für ihre Interessen auf die Straße gegangen. Unter dem Eindruck der Germanwings-Katastrophe waren Lufthansa und Piloten nach vielen Streiks aufeinander zugegangen. Doch die Zeiten der Kompromissbereitschaft sind vorbei. Eine Schlichtung ist bereits im Vorfeld gescheitert.

Nun drohen wieder Streiks - und das ausgerechnet in der Ferienzeit. Für die unter der Konkurrenz der arabischen Staatsairlines und der Billigflieger leidenden Kranichfluglinie ist das eine erhebliche Belastung. Sie täte besser daran, Kompromissbereitschaft zu signalisieren.

Dieser Rat gilt allerdings auch für die Pilotenvereinigung Cockpit. Mögliche Streiks sind unverhältnismäßig - erst recht, wenn sie in der Urlaubszeit Kunden vergraulen. Schließlich wird in dieser Zeit ein Großteil des Geldes verdient. Die Forderung nach einem Umdenken bei der üppigen Altersvorsorge der Piloten ist aus Sicht der Lufthansa ebenso nachvollziehbar wie Umstrukturierungen im Konzern. Schließlich muss das Unternehmen reichlich Rückstellungen in seiner Bilanz anhäufen, um die Regelungen aus längst überholten Zeiten finanzieren zu können. Auch deshalb schmilzt der Gewinn dahin. Beide Seiten müssen von ihren Maximalforderungen abrücken. Sie sollten einen gemeinsamen Nenner in einer Schlichtung suchen.

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