Ecclestone-Prozess

Kommentar: Der Preis ist zu hoch

Formel-1-Guru Bernie Ecclestone verlässt den Gerichtssaal als freier Mann. Das war zu erwarten.Sein Prozess ist im Rahmen eines millionenschweren Ablasshandels eingestellt worden. Das war zu befürchten. Von Martin Krigar

Das Verfahren insgesamt beschädigt das Ansehen der deutschen Justiz. Das ist nun unvermeidlich. In der breiten Öffentlichkeit bleibt nämlich ein verheerender Eindruck haften: Ein Geschäftsmann, dessen Reichtum ähnlich unermesslich ist wie seine Skrupellosigkeit, hat sich aus einem lästigen Prozess irgendwie freikaufen können. Gericht und Staatsanwaltschaft sacken 100 Millionen Dollar ein, für die sich schon eine gute Verwendung finden lässt. Und alle Beteiligten können Feierabend machen, statt sich noch monatelang mit Detailarbeit herumzuschlagen.

Formaljuristisch mag das alles in Ordnung sein, streng ökonomisch auch. Befriedigend und akzeptabel ist das Prozessende damit noch lange nicht. Das heimliche Geschacher um Anteile am Formel-1-Zirkus, das einen ehemaligen Manager der Bayerischen Landesbank ins Gefängnis und Bernie Ecclestone auf die Anklagebank brachte, stinkt so widerlich wie zuvor. Es ging nicht um ein kleines Alltagsdelikt. Die Justiz hätte daher echte Aufklärungsarbeit und Wahrheitsfindung betreiben müssen. Das ist ihre ureigenste, wenn auch anstrengende Aufgabe. Vor dieser Aufgabe haben die Verfahrensbeteiligten letztlich kapituliert.

Bernie Ecclestone ist allem Anschein nach nicht unschuldig. Nach Lage der Dinge hätte es dennoch zu einem formalen Freispruch kommen können. Damit hätte die Justiz leben können – nicht aber mit dem gestrigen Münchner 100-Millionen-Deal. Wer solche Summen nicht aus der Portokasse bezahlen kann, wird ab sofort etwas weniger Vertrauen in deutsche Gerichte und Staatsanwaltschaften haben. Die Justiz darf nicht käuflich sein. Mehr noch: Sie darf nicht einmal den Anschein erwecken, als ob sie es sein könnte.

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