Millionäre für höhere Steuern

Kommentar: Ehrenwert mit Haken

Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar“, hat Marius-Müller Westernhagen einst gesungen. Nun stimmen er und andere Superreiche in den Chor jener guten Menschen ein, die politisch korrekt die soziale Schieflage beklagend ein wenig Linderung in Aussicht stellen. Von Jörg S. Carl

Auch sie wollen auszahlen, mehr abgeben vom Vermögen - mittels höherer Steuern an den klammen Staat.

Schlechtes Gewissen, weil Leistung und Verdienst sich in etlichen Branchen längst entkoppelt haben? Geschenkt, Finanzminister hören solche Absichten gern. Die ehrenwerte Sache hat nur einen bedauerlichen Haken: Würde ausschließlich die Reichensteuer, die ab 250 000 Euro Jahreseinkommen bei 45 Prozent greift, um ein paar Prozentpunkte erhöht, blieben die Einnahmen daraus recht übersichtlich, Kapitalflucht inklusive.

Wenn der Fiskus wirksame Einnahmezuwächse über die Einkommensteuer erzielen will, müsste er den Spitzensatz von derzeit 42 Prozent - bereits fällig bei Einkommen ab 53.000 Euro - deutlich anheben. Das aber wäre eine Steuerreform, die Schwarz-Gelb eben gerade nicht will. Also wird bis zur nächsten Bundestagswahl alles bleiben, wie es ist: kein „mehr netto vom brutto“ und kein höherer Spitzensatz. Bis dahin dürfen die Reichen dieser Republik aber gern spenden - so viel sie wollen.

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