Kommentar: Eine Belastung für das Amt

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Frank Pröse

Nein, nicht schon wieder Christian Wulff! Nicht schon wieder diese Affäre, die für die Hälfte der Bevölkerung zumindest bis gestern erstaunlicherweise keine nennenswerte war. Und doch drängt sich der Bundespräsident nahezu jeden Tag aufs Neue in die Schlagzeilen. Von Frank Pröse

Allein durch seine Ungeschicklichkeiten. Sein Anruf bei „Bild“ offenbart, dass Wulff sich vor Weihnachten wider Willen öffentlich entschuldigt hat. Der Präsident wollte nicht etwa Schaden vom Amt abwenden, er wollte sich selbst in diesem retten. Nicht die Medien sind schuld an den miesen Schlagzeilen. Die hat Wulff schon selbst zu verantworten.

Da ist zum einen seine Salamitaktik, immer nur das zuzugeben, was ihm unwiderlegbar vorgehalten wird. Und da sind spitzfindige Formulierungen zur Verschleierung des Wahrheitsgehalts seiner Aussagen, beispielsweise zum vertraglichen Stand des BW-Kredits.

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Dieser Präsident hat sich durch sein miserables Krisenmanagement für das Amt disqualifiziert. Nicht in Vergessenheit geraten sollten in diesem Zusammenhang Wulffs eigene Worte gegenüber dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, als es um die „West LB-Flugaffäre“ ging. Zitat: „Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.“ Und er forderte dessen Rücktritt. Sein „physisches Leiden“ von damals ist heute nachzuempfinden.

Wulff sollte aus Respekt vor dem Amt zurücktreten, dessen Ansehen er durch den Umgang mit der Affäre erst in Verruf gebracht hat. Es wird deshalb schon keine Staatskrise geben.

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