Studie zur Elternarbeit an Schulen

Kommentar: So funktioniert das nicht

Ob so Elternarbeit gelingen kann? Ihre Empfehlungen zum richtigen Umgang von Lehrern mit Sorgen und Problemen von Eltern kann die Vodafone-Stiftung in die Tonne klopfen. Realitätsferner geht’s ja wohl nicht. Von Frank Pröse

Der Verdacht drängt sich auf, dass wieder einmal keine der beteiligten Parteien bloßgestellt werden sollte. Deshalb ist die Rede von „Qualitätsmerkmalen“, nicht von „Standards“ oder „Vorschriften“ - zu groß ist offenbar die Angst, es könne sich jemand kontrolliert und gegängelt fühlen.

Zunächst ist laut Studie einmal Kommunikation wichtig. Damit kann man ja nie etwas falsch machen. Also plädieren die Bildungsexperten für einen regelmäßigen Informationsaustausch. Was dieser angesichts des Desinteresses vieler Eltern bringen soll außer zusätzlicher Arbeit für die Lehrer, das wird ihr Geheimnis bleiben. Oder meinen die Experten allen Ernstes, dass jene Eltern, denen schon der Termin des Einschulungstests völlig egal ist, sich später ernsthaft für die Belange ihrer Kinder interessieren? Einzelfälle sind das keine. An einer Offenbacher Schule ist dieser Tage etwa die Hälfte der angemeldeten Kinder nicht erschienen.

Bleiben wir in der Region. In Hanau haben sie es auf den Punkt gebracht: Immer mehr Familien bieten ihren Kindern nicht mehr den notwendigen Schutz und die Förderung - mit den entsprechend negativen Auswirkungen auf die schulischen Leistungen. Die Familienberatungsstelle des Albert- Schweitzer-Kinderdorfes setzt auf frühe Hilfen. Hebammen betreuen junge Familien im Bedarfsfall bis Ende des ersten Lebensjahres eines Kindes, um die Bindung zwischen Eltern und Kind zu festigen. Das sei das „Fundament, auf der das spätere Haus gebaut wird“. Ohne eine verlässliche Bindung im frühkindlichen Alter sei auch spätere Bildung nur schwer möglich. Obwohl derlei intensive Betreuung in die hunderte Fälle geht, gibt es immer noch viel zu viele lose Bindungen zwischen Eltern und Kind.

Der zusätzliche Rat der an der aktuellen Studie beteiligten Bildungsexperten geht in die Richtung, Eltern mehr in schulische Belange einzubinden. Aber auch das funktioniert ja nur bei jenen Erziehungsberechtigten, die sich der aus diesem Recht erwachsenden Verantwortung bewusst sind. Auf diese Spezies treffen Lehrer immer seltener. Immer öfter ist dafür therapeutische oder soziale Basisarbeit gefragt, weil bei den Kindern zuhause untragbare Zustände herrschen. Ob das zu den schulischen Aufgaben gehört, darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist, dass Psychologen und Sozialpädagogen fehlen und die Lehrerschaft zunehmend überfordert ist, zusätzlich zum Lehrauftrag die Erziehung unerzogener Kinder zu übernehmen, nur weil die Eltern in dieser Hinsicht versagen. Da wird es wenig hilfreich sein, die Eltern wie angeregt zum Sport in die Turnhalle einzuladen ...

Eltern sollten sich willkommen fühlen an der Schule - und Lehrer sollten alles dafür tun, empfehlen die Experten. Mit wenig Aufwand könnten etwa alle Schilder und Hinweise der Schule in andere Sprachen übersetzt werden, damit auch ausländische Eltern sich einbezogen fühlen. Wie groß dürfen die Schilder denn sein bei Schülern aus mehreren Dutzend Nationen? Es schadet sicher nicht, wenn sich auch die Eltern mit einer Sprache auseinandersetzen, die die Kinder lernen müssen. Sie sind deshalb nicht weniger willkommen.

Der richtige Umgang mit Eltern sei das am meisten vernachlässigte Thema des Bildungswesens, heißt es. Viele Lehrer und Erzieher erleben einen Praxisschock, wenn sie in Kindergärten und Schulen zum ersten Mal mit den Eltern zu tun haben, mit den Überbesorgten, den Beflissenen, den Frechen und den Teilnahmslosen. Während des Studiums oder der Ausbildung haben Erzieher und Lehrer das Wort „Elternarbeit“ vielleicht mal gehört. Das sollte sich schleunigst ändern, dann aber auf einer anderen Basis als der erwähnten Studie, die den heute an den Schulen herrschenden Zuständen nicht annähernd gerecht wird.

Teilnahmslosen Eltern kommt man mit den Vorschlägen der Studie jedenfalls nicht bei. Dafür ist eher der Sozialarbeiter zuständig, denn diese Eltern sind auf ihre Kinder nicht vorbereitet. Und schließlich müssen mehr Schulpsychologen eingestellt werden, für Schüler und Lehrer. Letztere haben unser aller Respekt verdient, wenn sie angesichts der aufgezeigten Fehlentwicklungen engagiert bleiben und nicht noch geistig abschalten.

Kommentare