Entscheidung fürs Fracking

Kommentar: Mehr Risiken als Chancen

Die Not muss schon groß sein. Warum sonst wollen Umwelt- und Wirtschaftsminister die umstrittene Schiefergasförderung unter Auflagen zulassen?

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Fracking heißt die noch recht neue Technik, von der erst ein geringer Teil der Bevölkerung Kenntnis hat, von der die Ingenieure ungeachtet erster Erfahrungen aber auch nicht genau wissen können, was sie sich mit ihr einhandeln und von der die Politiker einfach nicht lassen wollen, weil sie - wie die Industrie vorgibt - angeblich Deutschland als Rohstoffland und Technologiestandort stärkt.

Beim Fracking wird ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck in den Untergrund gepresst, um Erdgasvorräte freizusetzen, die in bis zu 2500 Metern Tiefe im Schiefer ruhen und sonst nicht erreichbar sind. Die Flüssigkeit bricht das Gestein auf, der Sand füllt die Zwischenräume, das Gas kann dadurch entströmen. Es eröffnen sich also neue Chancen, wie so oft gibt es aber auch neue Risiken. Studien zufolge kann Fracking das Trinkwasser kontaminieren, durch giftige Abwässer, Chemikalien und radioaktive Stoffe. Es könne zu Explosionen, Methangas-Emissionen und langfristigen Gesundheitsschäden führen.

Nach 13 Jahren versiegt auch diese Energiequelle

Doch was spielt das für eine Rolle, wenn die Möglichkeit besteht, sich für einige wenige Jahre energetisch von ausländischen Lieferanten zu lösen. Es geht freilich gerade mal um etwa 13 Jahre. Dann versiegt auch diese Energiequelle. Und dann? Das Land stünde vor denselben alten Fragen, dann aber mit noch weniger Antworten. Wenn wir Glück haben. Vielleicht ist nämlich auch das Grund- beziehungsweise Trinkwasser verseucht und die Landschaft kahlgeschlagen, so wie heute schon in den Weiten der USA, in denen die neue Hochdruck-Technik rigoros durchgesetzt wird.

Angesichts dieser warnenden Beispiele aus Übersee darf man von einem deutschen Umweltminister schon mal erwarten, dass er sich zum nachhaltigen, sparsamen und wachstumsneutralen Umgang mit regenerativen Energien bekennt und nicht hilft, ohne Not die letzten Reste fossiler Brennstoffe vom Boden des Topfes zu kratzen. Der ist dann leer, wie er das ohne Fracking gewesen wäre. Außerdem: wenn die Amerikaner sich ihrer Grundlagen für sauberes Trinkwasser selber berauben, müssen wir ihnen nicht nacheifern.

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