Ausschreitungen in Ägypten

Kommentar: Die Wut der Enttäuschten

Es ist eine bittere Erkenntnis, die bei Ägyptens Revolutionären Wut und Empörung auslösen muss: Sie haben einen Diktator gestürzt, für das Land am Nil das Tor zu Freiheit und demokratischen Strukturen aufgestoßen – und in der gesamten Region die Hoffnung auf einen anhaltenden „arabischen Frühling“ geschürt. Von Werner Menner

Und nun müssen sie feststellen, dass nichts besser, vieles sogar schlechter geworden ist. Dass an die Stelle des entthronten Pharaos Mubarak nur der ebenso selbstherrliche Pharao Tantawi getreten ist. Das ist deprimierend, aber nicht überraschend. .

Die Militärs, an deren Spitze Tantawi steht, waren die Stütze und das Fallbeil Mubaraks. Tantawi war viele Jahre Mubaraks wichtigster Minister und engster Vertrauter. Sie haben gemeinsam das Land zu ihrem Land, zum Spielfeld ihrer Launen, zu ihrem persönlichen Geldbeutel gemacht. Es war klar, dass die Militärs den Verlust ihrer Privilegien nicht kampflos hinnehmen würden.

Ägypten läuft Gefahr, ein noch tiefer zerrissenes Land zu werden, als es schon heute ist. Die derzeit einzige stabile politische Kraft sind die Muslimbrüder – und die neu erstarkenden radikal-islamischen Salafisten. Die anstehenden Wahlen werden – falls sie frei und fair verlaufen – zeigen, wie groß deren Rückhalt in der Bevölkerung bereits ist. Falls die Militärs den Urnengang nicht mit fadenscheinigen Argumenten doch noch verhindern. Fest steht schon jetzt: Der Kampf am Nil geht weiter, und ein Sieg der Revolutionäre ist keineswegs sicher.

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