Eurokrise

Kommentar: Die Lektion Zypern

Die Rettung Zyperns markiert eine Wende. In Irland ließ sich die Währungsunion noch auf eine Sanierung strauchelnder Geldhäuser mit dem Geld der europäischen Steuerzahler ein, was zu einer Explosion der Staatsverschuldung führte. Von Detlef Drewes

Für Spanien ersann man bereits die direkte Finanzierung aus dem ESM-Hilfsfonds der Union, um eben diese Gefahr zu vermeiden. Nun aber werden zuerst einmal die zur Kasse gebeten, die mit den Banken, die ins Wanken geraten sind, vorher blühende Geschäfte gemacht haben. Denn sie waren es, die von dubiosen Geschäften der Manager und schier unfassbaren Aufsichtspannen der Nationalbank profitiert haben. Dass man ebenfalls im zweiten Anlauf die Kleinsparer außen vor gelassen hat, macht das Rettungspaket zu einer Aktion, die am Tag danach kaum auf Kritik stieß.

Gewonnen habe viele. Zuerst sicherlich die Euro-Zone, die gegenüber den Finanzmärkten deutlich gemacht hat, dass sie sich auch von einem störrischen Familienmitglied nicht einfach trennt. Ganz sicher auch die Steuerzahler der Mitgliedstaaten, die nunmehr erleben durften, dass ihr Geld nicht leichtfertig benutzt wird, um damit jede Sünden zu tilgen, die die Geldinstitute zuvor begangen haben. Dieser Lernerfolg der Euro-Retter ist nur zu begrüßen.

Zyperns schwere Zeiten waren absehbar

Dass Zypern nun vor schweren Zeiten steht, ist bedauerlich, aber es war auch absehbar. Steuerparadiese und Finanz-Oasen, die mit niedrigen Abgabensätzen und oberflächlicher Aufsicht Milliarden aus dem Ausland angezogen haben, sind kein Geschäftsmodell, das die Währungsunion in den eigenen Reihen dulden kann.

Für die Zyprer brechen somit schwere Zeiten an. Die Wirtschaft war nahezu ausschließlich auf die Finanzbranche ausgerichtet. Abgesehen vom Tourismus und dem damit verbundenen starken Dienstleistungssektor gab und gibt es kaum nennenswerte ökonomische Einnahmequellen, um die man sich nun bemühen muss.

Wohin flossen Brüssels Milliarden?

Einmal mehr wird man sich in Brüssel zu fragen haben, wohin eigentlich die Milliarden gegangen sind, die über Jahre hinweg zur Verbesserung der Infrastruktur oder der Landwirtschaft auf die Insel geflossen sind. Projekte mit nachhaltiger Tragfähigkeit wurden rund um Nikosia jedenfalls nicht gefördert.

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