Europa nach den Wahlen

Kommentar: Watsche für „Madame No“

Formell wählten am Sonntag die Franzosen einen neuen Präsidenten und die Griechen ein neues Parlament. Abgestimmt wurde dabei auch über die deutsche Bundeskanzlerin. Sie kassierte eine klare Absage für ihre Politik. Von Thomas Grewe

Nicht nur die zur Urne gerufenen Griechen und Franzosen sind in der Mehrheit die Dominanz der Euro-Regierung mit dem schönen Namen Merkozy leid.

Und der neue Mann im Elysée zeigt sich erkennbar nicht geneigt, in der bisherigen Form in das deutsch-französische Tandem einzusteigen. Genau damit wird der neue Präsident der Franzosen so etwas wie ein Hoffnungsträger für Spanien, Portugal und Italien. Auch dort ächzen Mehrheiten und setzten darauf, dass das deutsche Spar-Diktat fortan nicht mehr das letzte Wort in Europa sein wird.

Angela Merkel ist klug beraten, jetzt keine Solo-Nummer als „Madame No“ zu versuchen, sondern das europäische Votum vom Sonntag zu respektieren. Für ihre Politik wird ein „Weiter so“ schwer vorstellbar. Dem selbst ernannten Musterknaben Europas droht andernfalls die unschöne Rolle des abgemeldeten Besserwissers.

Während die Griechen mit ihrer Wut-Entscheidung gegen die etablierten, abgewirtschafteten Parteien nur ein gefährliches, anarchisch destruktives Nein zu Europa zustande brachten, steht François Hollande in Frankreich für eine andere Politik. Sie setzt die Priorität bei den Menschen und nicht bei den Märkten.

Die Alternative für Europa heißt aber nicht Wachstum oder Haushaltsdisziplin, die Lösung muss Wachstum und Haushaltsdisziplin lauten.

Eine Verständigung auf diese Linie könnte der Beginn einer neuen deutsch-französischen Freundschaft werden. Der Blick in die Vergangenheit muss dabei optimistisch stimmen. Adenauer und de Gaulle, Mitterand und Kohl fanden auch zusammen und brachten Europa voran.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare