Facebook

Kommentar: Warten auf die Welle

So mancher potenzielle Internet-Flächenbrand war am Ende doch nur ein kleines Strohfeuer. Das mächtige Musiknetzwerk MySpace mit einst 250 Millionen Mitgliedern: bedeutungslos. Von Michael Schlösser

StudiVZ, die ehemals meistbesuchte Internetseite Deutschlands: eine digitale Geisterstadt. Der seit Herbst börsennotierte Kurznachrichtendienst Twitter: hierzulande ein Nischenprodukt. Nur ein Trend will einfach nicht vorübergehen: Facebook.

Mit großen Worten sollte man sparsam umgehen, aber das Internet-Netzwerk hat unsere Welt definitiv verändert. Facebook ist unser soziales Betriebssystem geworden. Wir fahren es hoch, wenn wir morgens den Wecker ausschalten. Wir fahren es herunter, wenn wir abends das Licht ausknipsen. Und meistens lassen wir es dank Mobiltelefon sogar nachts eingeschaltet. Digitale und echte Welt vermischen sich. Ob der Freund jetzt physisch greifbar neben uns steht oder sich nur via Facebook meldet, macht keinen Unterschied.

Die Probleme, die uns das Netzwerk beschert, schrecken uns nicht ab. Stichwort Facebook-Party: Wer die Privatsphäre-Einstellungen ignoriert, riskiert ungeladene Gäste auf einer im schlimmsten Fall eskalierenden Fete. Stichwort Mobbing: Nie zuvor war es leichter, Menschen in einer Halb-Öffentlichkeit zu denunzieren. Stichwort Datenschutz: Facebook speichert jeden unserer Mausklicks und kann einen besseren Lebenslauf verfassen als wir selbst.

Und trotzdem ist jeder zweite deutsche Internet-Nutzer aktiv dabei! Denn irgendwie reguliert sich das Netzwerk selbst. Nervensägen blockieren wir, kriminelle Äußerungen melden wir. Halt doch wie im richtigen Leben. Bei aller Macht von Facebook bleibt eine Gewissheit: Sobald uns das nächste digitale Erdbeben packt, spült uns die Welle zum neuen, besseren, schönen Internet-Hype. Am Ende war dann auch Facebook nur ein Trend.

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