Der Fall Amazon

Kommentar: Mächtige Konsumenten

Der Fall Amazon empört. Zu recht. Aber sind die Berichte über die schlechten Arbeitsbedingungen vor allem ausländischer Leiharbeiter denn wirklich überraschend? Von Peter Schulte-Holtey

Eher nicht. Gewerkschaften weisen ja schon schon lange auf die Missstände hin. Und wir Verbraucher hätten zumindest ahnen müssen, dass dieser Riesenhändler doch irgendwo sparen muss, um trotz seiner Kampfpreise Gewinne einfahren zu können.

Auf jeden Fall hat das Getöse viele erfreuliche Facetten. Mit der öffentlichen Aufmerksamkeit könnte eine Nachjustierung von Gesetzen gelingen, um die Unternehmen zu zwingen, ihren Beschäftigten faire Konditionen einzuräumen. Ja, die Politik muss dringend Schluss mit den schlimmen Auswüchsen machen, die dazu führen, dass Leiharbeit als Instrument der Lohndrückerei missbraucht wird.

Der Konsument nimmt alles in Kauf

Die wohl entscheidende Botschaft im Fall Amazon ist aber: Es wird sich nichts ändern, solange der Konsument signalisiert, dass er fast alles in Kauf nimmt - solange der Preis stimmt. Dass vieles im Argen liegt, wird doch im immer schnelleren Rhythmus deutlich, wenn über die schlechten Bedingungen berichtet wird, unter denen die Dinge hergestellt werden, die wir täglich benutzen und konsumieren: Kleidung, Essen, Handys ...

Deshalb bleibt nur zu sagen: Verbraucher, denkt zweimal nach, bei wem ihr kauft! Vielleicht werden jetzt viele Kunden auch intensiver darüber nachdenken, ob sie im Fachgeschäft gut beraten werden wollen und dafür einen höheren Preis zahlen oder eben nicht.

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