Ein Mord wird zum Politikum

Kommentar zum Fall Susanna

Susanna, 14 Jahre alt, mutmaßlich vergewaltigt und ermordet von einem Mann, der nach abgelehntem Asylantrag weiter in Deutschland wohnen durfte; mutmaßlich ermordet von einem Mann, der längst in Untersuchungshaft gehört hätte, da er der Polizei bereits als Gewalttäter bekannt war; mutmaßlich ermordet von einem Flüchtling, der mitsamt Familie offenbar unter falschem Namen einfach so ausreisen und sich dem Zugriff der Fahnder zunächst entziehen konnte. Von Frank Pröse 

Das in letzter Zeit so augenfällig gewordene Behördenversagen in Flüchtlingsfragen ist auch bei dieser Geschichte greifbar, passt zu den vielen inzwischen aufgedeckten Versäumnissen in der Flüchtlingspolitik und beim Umgang mit Migranten sowie Asylsuchenden.
Gleichwohl wird die öffentliche Debatte nach diesem Tötungsdelikt in Wiesbaden wie bereits nach den Verbrechen an Maria und Mia in Freiburg und Kandel wieder radikaler, nicht selten wutentbrannt geführt. Der Groll richtet sich immer häufiger nicht mehr nur gegen Politiker, denen ihr „Wir schaffen das!“ in der Flüchtlingsfrage von der Mehrheit der Gesellschaft längst nicht mehr abgenommen wird. Zielscheibe der Kritik sind immer häufiger auch Justiz und Behörden, deren Versäumnisse mit dem Resultat des offensichtlichen Kontrollverlusts das Vertrauen in den Rechtsstaat aushöhlen. Daraus speist sich eine wachsende Unsicherheit, die sich in diesem Fall auch in der Wut auf Flüchtlinge ein Ventil sucht. Da hilft kein Hinweis auf den Einzelfall, auf Kriminalitätsstatistiken oder darauf, dass die Herkunft des Täters für die Tat keine Rolle spielen darf. Hilfreich ist es eben aber auch nicht, den Verunsicherten im Gegenzug Rassismus vorzuwerfen.

Der Fall der getöteten Susanna: Bilder

Der dritte Mord bestätigt einmal mehr das verbreitete Muster vom importierten Verbrechen und schürt die Spaltung der Gesellschaft in Flüchtlingsfragen. Da schwinden Tabus. Auch deshalb haben sich beispielsweise die ARD-Tagesthemen nach interner Diskussion veranlasst gesehen, sich als politische Sendung einmal mit einem Mordfall zu beschäftigen. Die Medien allein werden freilich gegen die Vorbehalte gegen Staat und Andersdenkende mit ihrer Berichterstattung nichts ausrichten können. Politik, mit Flüchtlingsfragen betraute Behörden und letztlich die Justiz müssen das Vertrauen in den Rechtsstaat wieder herstellen. Das gelingt aber nur, wenn vorher das eigene Versagen eingestanden wird.

Rubriklistenbild: © Offenbach-Post

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