Familienpolitik

Kommentar: Alles auf dem Prüfstand

Kinder kosten viel Geld, schränken die eigene Freiheit ein und bedeuten einen Karriereknick: Das sind nach Meinung vieler Deutscher die Gründe für einen fehlenden Kinderwunsch hierzulande, wie aus einer Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hervorgeht. Von Peter Schulte-Holtey

Die Untersuchung zeigt, dass Zukunftsangst und die Sorge vor einem drohenden leeren Geldbeutel das Ja zum eigenen Kind verhindern. Natürlich hat das damit zu tun, wie die Betroffenen die Familienpolitik sehen. Sie sind massiv enttäuscht, so scheint es.

Es muss also vor allem darum gehen, Eltern den Eindruck zu vermitteln, dass sie gerechter behandelt werden. Deutlich wird die Benachteiligung ja noch immer in vielen Bereichen, auch in der Rentenberechnung: Berufstätige kinderlose Paare profitieren von einem doppelten Rentenanspruchs, den die Kinder derjenigen später finanziell erwirtschaften müssen, die heute für das Leben mit eigenen Kindern erhebliche finanzielle Belastungen auf sich nehmen.

Wer nach brauchbaren Reformmodellen für eine bessere Familienpolitik sucht, sollte alles auf den Prüftstand bringen. Es gibt in Deutschland fast 160 unterschiedliche ehe- und familienbezogene Leistungen. Man weiß, wie sich die einzelnen Leistungen auswirken; man weiß aber immer noch nicht, wie die einzelnen Leistungen zusammenwirken.

Wer auch immer nach der Wahl für die Familienpolitik verantwortlich zeichnen wird, er wird das nachliefern müssen, was Bundesministerin Kristina Schröder versäumt hat: eine reelle Bewertung der bisherigen Hilfen. Sie ist das Fundament für jede Art von Reform.

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