Kommentar: Sehnen nach alten Zeiten 

Bevor die FDP angesichts miserabler Umfragewerte von sich aus in den Untergrund geht, sucht sie die Offensive. Eine Wachstumskampagne soll die vom undankbaren Wähler Enterbten retten. Schließlich „kann Wachstum auf viele Themen übertragen werden“, trötet Philipp Rösler.

Der Parteichef hat mit der Kampagne nun wirklich keinen überzeugenden Kracher im Köcher, die auf dem Plakat abgebildete Frau im Gemüseladen lässt eher Rückschlüsse zu auf kleinkrämerisches Denken und die Abkehr von einstigen Maximen nach dem Motto: Globalisierung war einmal.

Natürlich hat die FDP-Führung mit der Kampagne vor allem wachsende Zustimmung für die Liberalen im Sinn und träumt dabei vielleicht sogar bundesweit von den 9 bis 11 Prozent, die Wolfgang Kubicki speziell für Schleswig-Holstein zum Wahlziel erhoben hat. Das ist aber nicht nur weit jenseits jeglicher Prognosen, es ist vor allem nicht erreichbar, wenn keiner jene Heiopeis stoppt, die auf der Suche nach eigenem Profil das der Partei schädigen.

So wie der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther, der den Medien die Schuld gibt am Niedergang der Liberalen und seine Parteifreunde zum Boykott der „Medien mit linksgrüner Hysterie-Berichterstattung“ aufruft. Es sei an der Zeit, „dass wir Liberale das Spiel beenden, das uns die Presse deutschlandweit seit Monaten aufzwingt“. Zeitungen könne man abbestellen und Radio- beziehungsweise Fernsehsender nicht mehr einschalten - alles im Sinne von Humanität, Demokratie und Selbstachtung.

Ob der 63-Jährige aus dem Vogtland sich da nicht eher an die gute alte DDR-Zeit erinnert hat, als es auch für die Blockflöten nur Jubelartikel gab. Offenbar hat Günther 20 Jahre nach der Einheit Deutschlands Sehnsucht nach der Aktuellen Kamera des DDR-Fernsehens und der LDPD-Zeitung „Der Morgen“. Was waren das doch für Zeiten … Da hätten nicht gehaltene Wahlversprechen, steuerliche Privilegierung nach Gutsherrenart, Beleidigungen (Westerwelles „spätrömische Dekadenz“) und die Nicht-Belieferung der Wähler (Rösler) weder auf deren Wahlbeteiligung noch aufs Ergebnis durchgeschlagen.

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