Flüchtlingsdrama vor Lampedusa

Kommentar: Falsche Debatte

Was sich vor den Toren der Europäischen Union abspielt, hat wenig mit einer Wertegemeinschaft zu tun, die sich Frieden, Freiheit und Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben hat. Doch die EU-Mitgliedstaaten können, wollen und werden an der Sachlage nichts ändern. Von Detlef Drewes

Weil sie allen nützt. Italiens bittere Klage über mangelnde europäische Solidarität gehen ins Leere. Würde die umstrittene Dublin-II-Verordnung tatsächlich neu verhandelt, damit Rom endlich zufrieden ist, gäbe es ein bitteres Erwachen: Italien müsste nämlich nicht nur seine Flüchtlinge behalten, es bekäme auch noch ein paar aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden dazu. Das wäre dann eine gerechte Lastenverteilung. Und auch mancher, der heute nach offenen Grenzen ruft, würde spätestens dann verstummen, wenn er der heimischen Bevölkerung erklären müsste, dass sie künftig weitere Asylbewerber aufzunehmen habe. Humanitäre Forderungen lassen sich leicht erheben, wenn sie sich nur weit entfernt genug abspielen.

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Genau genommen hat das EU-Asylrecht mit dem Tod der Flüchtlinge im Mittelmeer nur wenig zu tun. Europa und die afrikanischen Staaten müssen ihren Kampf gegen kriminelle Menschenhändler und Schleuserbanden verstärken. Dass dies nicht geschieht, ist unbegreiflich. Zumal Brüssel seine Partner im Norden des Kontinents mit millionenschweren Zuwendungen aufgerüstet hat, um die Grenzen besser zu sichern. Doch man kann eine Welle von Flüchtlingen, die Hunger, Elend, Folter und Tod zu entkommen versuchen, nicht an einer Grenze stoppen. Ohne wirkungsvolle Hilfe in den Heimatländern der potenziellen Asylbewerber wird sich an der Lage nur dann etwas ändern, wenn die See im Winter ruhiger wird. Aber es wird hoffentlich niemand auf den Gedanken kommen, dies als politisches Konzept zu empfehlen.

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