Kommentar: Verhöhnung der Opfer

Die Zustände nach dem Absturz über der Ostukraine sind empörend. 298 Menschen starben. Es war Mord. Von Werner Menner

Eine grauenvolle Tat, die aufzuklären jede zivilisierte Person größtes Interesse haben muss: Im Sinne der Menschlichkeit, mit Blick auf die Sicherheit der internationalen Luftfahrt – vor allem aber aus Respekt vor den Opfern und deren Angehörigen. Das Gegenteil ist der Fall, das Verhalten der Separatisten eine Verhöhnung der Toten. Diese werden skrupellos für Schuldzuweisungen missbraucht. Und das – wie es scheint – mit dem Segen und der Unterstützung durch Russland. Gelogen wird in jedem Krieg, ja selbst im kleinsten Streit. Die Zustände in der Ostukraine aber setzen wieder einmal neue Maßstäbe.

Es ist bedauerlich, dass Russland es vorzieht, eine unrühmliche Rolle zu spielen statt international zu punkten. Nur der Kreml hat die Macht, die Separatisten an die Kandarre zu legen und bei der Aufklärung der Absturz-Ursache eine tragende Rolle zu übernehmen. Es dürfte zugleich die wohl letzte Chance sein, der Welt zu beweisen, dass Moskau an einer Lösung des Konflikts und einer bereits Kontinente überspannenden Konfrontation mit auch wirtschaftlich unabsehbaren Folgen für alle Beteiligten wirklich ernsthaft interessiert ist. Sicher, zum Ostukraine-Streit haben alle Konfliktparteien beigetragen. Die Bringschuld aber hat mit Blick auf die Ereignisse und Zustände derzeit Moskau.

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