Jeder Dritte will früher in Rente

Kommentar: In die Puschen kommen

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Siegfried J. Michel

Offenbach - Es gibt Umfragen, die kann man getrost in den Papierkorb befördern, weil sie für unser Leben absolut nicht relevant sind. Es gibt aber auch solche, die haben es so richtig in sich, wie die, die jetzt das Marktforschungsinstitut GfK zum Thema „Arbeit und Alter“ vorgelegt hat. Von Siegfried J. Michel

Sie zeigt, dass die Vorstellungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern darüber so ganz und gar nicht deckungsgleich sind. Nur ein Beispiel dazu aus der Studie: Nur 28 Prozent der Befragen wollen bis zum gesetzlichen Rentenalter voll erwerbstätig bleiben. Die Arbeitgeber glauben hingegen, dass 61 Prozent ihrer Mitarbeiter bis zum Schluss ganztags arbeiten.

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Eine Generation will aussteigen

Ein krasses Missverhältnis also, das insbesondere die Arbeitgeber aufschrecken und dafür sorgen sollte, dass sie bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit einem größeren Angebot flexiblerer Übergangsmodelle möglichst bald in die Puschen kommen sollten. Denn: Die Babyboomer-Generation ist in die Jahre gekommen und blickt in recht naher Zukunft auf den Übergang in die Rente. Die Umfrage zeigt zudem, dass diese Generation zu einem großen Teil offenbar bereit ist, auch auf Geld zu verzichten, um sich um Kinder, Enkel oder zu pflegende Angehörige zu kümmern: Satte 75 Prozent haben ein großes Interesse an flexibleren Arbeitszeitmodellen.

Kampf um die „besten Köpfe“

Der Druck auf die Arbeitgeber wird wachsen. Dies zeigt auch der Vorstoß der IG Metall vom Vortag, die individuelle Arbeitszeitmodelle zum Thema in der nächsten Tarifrunde machen will. Große und kleine Unternehmen werden beim Kampf um die „besten Köpfe“ in einer auch älter werdenden Gesellschaft bei den Arbeitszeiten sehr viel flexibler werden müssen, um attraktiv zu bleiben. Natürlich muss auf diesem Weg auch darauf geachtet werden, dass Firmen - insbesondere kleinere Betriebe - nicht finanziell und von der Personalplanung her überfordert werden.

„In den kommenden Jahren steht die Arbeitswelt vor einer historisch einmaligen Herausforderung“, hat Stefan Becker, der Geschäftsführer der Initiative Beruf und Familie, mit Blick auf die „Rentnerwelle“ der geburtenstarken Jahrgänge gesagt. Recht hat er. Und deshalb ist auch die Politik gefordert, auf diesem Weg in die Zukunft zügig Lösungen zu finden, anzubieten und Brücken zu bauen, damit den Zielen und Ansprüchen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen gedient ist.

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