Gäfgen erhält Entschädigung

Kommentar: Foltertabu ist unumstößlich

Endlich ist ein Schlussstrich gezogen unter die Prozesshanselei des Magnus Gäfgen. Zehn Jahre lang hat er die Justiz bis hinauf zur Europäischen Ebene auf Trab gehalten. Der Rechtsstaat wurde in den Augen vieler Menschen strapaziert bis an die Grenze des Erträglichen. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Und doch hat er gerade damit seine Qualität bewiesen. Das Foltertabu ist unumstößlich. Man mag zwar beklagen, dass das Land Hessen einem verurteilten Kindsmörder nun die 3000 Euro als Schadensersatz zahlen muss; doch das war nur folgerichtig. Es war vielleicht menschlich nachvollziehbar, aber dennoch falsch, dass Wolfgang Daschner dem Entführer mit Folter drohte, deshalb ist auch er verurteilt worden. Und der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Daschners Verurteilung nicht ausreicht, den Schaden wieder gut zu machen.

Hätte das Oberlandesgericht nun die Zahlung verworfen, hätte Gäfgen unter Verweis auf die Straßburger Richter weiter die Justiz beschäftigt. Er hätte weiter Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weiter seine unerträgliche Opferrolle gespielt, womöglich gar in der Hoffnung darauf, eines Tages von seiner Publizität profitieren zu können. Jetzt sitzt er noch viele Jahre im Gefängnis, ohne immer wieder das Scheinwerferlicht der Medien auf sich zu ziehen. Endlich.

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