Kaum mehr als hehre Worte

Kommentar zum geplanten Bürgerdialog der Regierung

Den einen sind ein sicherer Arbeitsplatz und ein gutes Einkommen wichtig, den anderen gehen vielleicht Familie und Freunde über alles. Es gibt Menschen, die definieren ihr Lebensglück in erster Linie über materielle Dinge, andere haben eher die ideellen Werte im Blick. Von Hans Wilms  

Das Thema Lebensqualität definiert wohl fast jeder Mensch sehr unterschiedlich. Ob die schwarz-rote Bundesregierung mit ihrem breit angelegten Bürgerdialog daher tatsächlich wesentlich neue Erkenntnisse für ihre Arbeit gewinnen wird, ist eher unwahrscheinlich. Immerhin aber suggeriert sie dem Volk, es könne mitreden.

Im Grunde genommen sind die öffentlich inszenierten Dialoge – ähnliche Formate gab es in den vergangenen Jahren auch schon – nichts anderes als klassische Öffentlichkeitsarbeit. In Zeiten, in denen die Distanz zwischen Politik und Bürgern immer größer zu werden droht, in denen sogenannte Wutbürger immer häufiger auf die Straße gehen und Menschen immer öfter übereinander statt miteinander reden, hört sich die Einladung zum Dialog natürlich erst einmal ganz gut an. Und wer hätte schon etwas dagegen einzuwenden, wenn eine Bundesregierung ihren Bürgern ein besseres Leben in Aussicht stellt? Niemand!

Absichtserklärungen aber sind nicht mehr als hehre Worte. „Was Menschen wichtig ist, muss Auftrag für unsere Politik sein“, meint Bundeskanzlerin Angela Merkel. Natürlich: Auch eine Bundesregierung darf klassische Öffentlichkeitsarbeit betreiben, aber was den Menschen in diesem Land wichtig ist, sollten eine Kanzlerin und ihre Minister auch ohne diese Kampagne wissen – und einfach liefern!

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