Kommentar: Reiz des Verbotenen

Die Politik will wieder einmal die Raser ausbremsen. Auch mit diesem neuen Anlauf wird es ihr nicht gelingen. Denn der dafür notwendige Ausbau mobiler Kontrollen lässt sich wohl kaum finanzieren.

Ohne Kontrolle mit spürbaren Sanktionen aber lassen sich jene Rowdys nicht disziplinieren, die meinen, mit dem PS-strotzenden Auto die Befreiung von der Straßenverkehrsordnung mit erworben zu haben. Gegen Raser und Drängler helfen nur drastische Strafen – und das auch nur dann, wenn die Gefahr des Erwischtwerdens wächst. Innenminister Peter Beuth will sich vor allem um die Schnellfahrer kümmern. Doch ist das Feld verkommener Verkehrsmoral viel größer, vielleicht auch deshalb, weil sich jeder für einen Experten hält, der entscheidet, ob eine behördlich veranlasste Einschränkung des freien Fahrens sinnvoll ist oder nicht.

Hinterm Steuer auf der Straße probt der bevormundete Bürger den Aufstand, rächt sich für die Rundum-Bevormundung, in dem er den Verkehrsregeln bei Gelegenheit den Allerwertesten zeigt: Auf rote Ampeln, Blink-, Rechtsfahr- und Abstandsgebote wird gepfiffen. Auch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Handy am Ohr unsinnigerweise verboten ist, weil ohne nichts mehr fährt.

Das Schizophrenie: Der Autofahrer schätzt feste Regeln, die ihm das Gefühl der Sicherheit geben und ihm vor allem dabei behilflich sind, sein Recht durchzusetzen - und sei es nur verbal mit dem Finger an der Stirn. Gleichwohl reizt es ihn, die Regeln zu umgehen, wenn es für ihn von Vorteil ist. Gelegenheit aber macht Aggression, ebenso wie Frustration, Hitze, Kälte, Schmerz oder Furcht. Dieses alles im Straßenverkehr in zivilisierte Bahnen zu lenken, dafür reichen Vorschriften nicht aus. Der Appell zu ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksicht im ersten Paragraphen der Straßenverkehrsordnung verpufft in der Regel. Das Verkehrsklima ist zu rau. Dagegen helfen nur scharfe Kontrollen und schmerzhafte Strafen. Das alles ist nicht in Sicht.

Kommentare