Armes Deutschland!

Kommentar zur gesellschaftlichen Spaltung

Sie arbeiten, kommen aber trotzdem kaum über die Runden: Mehr als drei Millionen Erwerbstätige in Deutschland leben laut einer neuen Auswertung von Statistiken unterhalb der Armutsschwelle. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren um satte 25 Prozent angestiegen. Von Peter Schulte-Holtey

Das ist ein alarmierender Wert, denn er zeigt, dass Armut mitten in der Gesellschaft, mitten in unserem weiterhin verbreiteten Wohlstand angekommen ist.

Dabei ist es ein Trauerspiel, dass zum Beispiel die Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland Armut trotz Arbeit schafft. Noch schlimmer! Es ist ja jetzt schon absehbar, dass die vielen Menschen mit geringeren Gehältern mit Volldampf auf die Altersarmut zusteuern.

Was zudem beachtet werden sollte: Zu den besonders Armut-Gefährdeten gehören weiterhin Kinder von Alleinerziehenden, von Hartz-IV-Empfängern und aus Migrantenfamilien. Sie bekommen es Tag für Tag zu spüren, dass Armut nicht nur eine Frage des Geldes ist, sondern auch eine des Zugangs zu Bildung, Freizeitangeboten und gesunder Ernährung.

Skandalöser Umgang mit der Armut

Was nachdenklich stimmt: Der Skandal ist nicht allein die Tatsache des zunehmenden Mangels bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung, sondern die Art und Weise, wie viele noch immer mit der Armut umgehen: Sie wird zerredet und wegdefiniert, weil sie zum Beispiel nicht mit der großen Not von Menschen in Afrika vergleichbar sei.

Es wäre also gut für unser Land, wenn die Sozialverbände und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer - wenn auch diejenigen am Rande der Gesellschaft endlich spüren würden, dass sich etwas mehr bewegt. Bildungsausgaben für arme Kinder massiv erweitern, das Existenzminimum von Mädchen und Jungen neu berechnen, Hartz-IV-Sätze erhöhen ... Es gibt viele Ansatzpunkte.

Jeder fünfte Deutsche ist von Armut betroffen

Jeder Fünfte in Deutschland von Armut betroffen

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