Auf der Suche nach Inhalten

Kommentar zum Grünen-Parteitag

Mehr Biss. Grün - das war das Motto für den Parteitag in Hamburg. Die einstige Ökopartei ist diesem Anspruch leider nicht gerecht geworden. Seit der Wahlschlappe im September sucht sie ihre Richtung. Daran hat sich nicht viel geändert. Von Marc Kuhn

Die Grünen haben gestritten, aber letztlich klein beigegeben. Kein Verbot für Waffenlieferungen in Krisenregionen, heißt es, aber bitte keine Gewehre in den Nordirak schicken. Und auch der Konflikt mit dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann über die Asylpolitik wurde entschärft. Eine Partei, die in zahlreichen Bundesländern Verantwortung trägt, und auf Bundesebene zurück in die Regierung will, wird zerrissen zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Linke Pazifisten und Ökofans ringen mit Super-Realos. Die Grünen wissen, dass es 2017 - angesichts der Umfragen - für Rot-Grün wohl nicht reichen könnte. Damit wäre wahrscheinlich auch das Thüringer Modell Rot-Rot-Grün keine Option mehr. So muss sich die Partei inhaltlich der Union annähern. Dahin ist es für die Grünen aber noch ein weiter Weg. Und mit Forderungen nach einer Agrarwende werden sie nicht bei der CDU und erst recht nicht bei der CSU auf offene Ohren stoßen. Aber die Grünen in Hessen haben ja vorgemacht, wie ideologischer Ballast über Bord geworfen werden kann, wenn es um die Machtoption geht. Allerdings müsste dafür das bisher farblose Führungspersonal auf Bundesebene erheblich an Format gewinnen.

Die Gratwanderung ist für die Grünen aber auch deshalb so riskant, weil sie mit ihren Positionierungen nicht nur bei möglichen Koalitionspartnern Gehör finden müssen. Gleichzeitig dürfen potenzielle Wähler nicht verprellt werden. So sind die Grünen auch nach ihrem Parteitag auf der Suche nach dem Alleinstellungsmerkmal. Aber eben das fordert der Wähler, soll er sein Kreuzchen bei einer Partei machen.

Rubriklistenbild: © op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare