Keine Guttenberg-Rückkehr

Kommentar: Vorerst abgemeldet

Kein Karnevalsorden. Keine CSU-Spitzenkandidatur. Keine neue Gutti-Mania: Das Comeback des Jahres ist abgesagt. Der Phönix, der sich so gern aus der Asche erhoben hätte, streut Asche auf sein Haupt. Schade drum. Aber besser so. Von Georg Anastasiadis

Als Hochmütiger hatte der große Matador Karl-Theodor zu Guttenberg die Arena, die er zuvor nur scheinbar demütig verlassen hatte, wieder betreten wollen - und sich dann über das gellende Pfeifkonzert gewundert, das ihm das Publikum bereitete, das früher „sein“ Publikum war. Der zweite Rücktritt - erst der vom Amt, dann der vom Comeback - war damit unabwendbar geworden. Nie zuvor hat ein deutscher Spitzenpolitiker seine zweite Chance so vermasselt. Ein Jammer. Der von ihrer politischen Kaste gelangweilten Republik hätte eine Begabung - sicher auch Reizfigur - vom Schlage eines Guttenbergs gutgetan.

Die gute Nachricht für die traurige Fangemeinde: Nach der zweiten Chance kommt die dritte. In seinem Kniefall-Brief an die Parteifreunde hat „KT“ endlich die Worte gefunden, die ihm so lange nicht über die Lippen kommen mochten. Er spricht von „missglückten Wochen“, von „Verfehlungen“ und „eigenem Verschulden“, und zum ersten Mal wirkt all das ehrlich und nicht aufgesetzt und taktisch. Die Liebeserklärung, die er seiner Partei macht (die mit den Spinnweben!), dürfte es auch nachtragenden Gemütern schwer machen, dem gefallenen Heros lange gram zu sein. Eine letzte kleine Gemeinheit hat sich Guttenberg nicht verkneifen mögen: Der emsige Strippenzieher Horst Seehofer, der offenbar ohne jede Rücksprache mit dem Betroffenen überall hausieren ging mit der Ankündigung, er werde den Freiherrn zurück in die Politik holen, steht wieder mal als Sprücheklopfer da. Der konsternierte CSU-Chef muss nun zusehen, wie er mit (dem Rest) seiner „erstklassigen Mannschaft“ (O-Ton Seehofer - und es war nicht bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst!) seine Wahlen gewinnt. Ob er sie gewinnt, kann Guttenberg gleich sein. Egal wie es der Strauß-Stoiber-Partei im Schicksalsherbst 2013 ergeht, sie wird ihren Liebling wieder rufen, sei es als Retter oder Vollender.

Glückliches Bayern, das solche Serienhelden hervorbringt!

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