Hacker-Angriff auf Vodafone

Kommentar: Bedürfnis nach Sicherheit

Nichts ist mehr sicher im Internet! Geheimdienste betreiben massives Daten-Sammeln im Netz, müssen kaum mit Daumenschrauben ihrer Regierungen rechnen. Von Peter Schulte-Holtey

Und nun auch das noch: Zwei Millionen Kunden von Vodafone Deutschland müssen um die Sicherheit ihrer Bankkonten bangen; der unglaubliche Datenklau soll von einem Insider betrieben worden sein. Sie müssen sogar damit rechnen, dass in nächster Zeit ungerechtfertigte Abbuchungen von ihren Konten erfolgen.

Wie stellen sich Regierungen und Wirtschaft denn eigentlich die Internet-Zukunft vor, wenn der eigene Bankzugang oder das Mobilfunkkonto unsicher sind - und zum Beispiel auch die elektronische Steuererklärung? Die Zahl der Angriffe der Computer-Hacker wächst ja ungebremst. Schätzungen zufolge gab es allein in den vergangenen sechs Monaten weltweit rund 2,5 Milliarden Phishing-Versuche. Oft ergaunern Kriminelle dabei per E-Mail Daten und schleusen sich in private Rechner oder Firmennetze ein.

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Gefahren drohen vor allem von Mitarbeitern in den Firmen. So hat die Unternehmensberatung KPMG ermittelt, dass bei jedem zweiten Wirtschaftsdelikt ein sogenannter „Innentäter“ beteiligt ist. Zur Erinnerung: Edward Snowden, der die Exzesse der US-Geheimdienste publik gemacht hat, konnte als Mitarbeiter eines Dienstleisters geheime Dokumente herunterladen. Auch im aktuellen Vodafone-Fall wurden die internen Sicherheitsmaßnahmen offenbar nicht besonders groß geschrieben. Wenn ein einzelner Mitarbeiter, der Zugang bei Vodafone hatte, einen derart großen Schaden anrichten kann, dann wurden auch intern Fehler gemacht.

Politiker und Manager müssen also immer wieder daran erinnert werden: Manche im Netz gehen vielleicht sehr leichtfertig mit ihren persönlichen Daten um. Aber sie wollen als Kunden und Bürger ihre Privatsphäre geschützt wissen, haben Anrecht auf ein Minimum an Vertraulichkeit und Datensicherheit. Die Wahlkämpfer sollten das Thema mehr beachten, denn das Bedürfnis nach Transparenz und vertrauensbildenden Maßnahmen wird ganz sicher nicht nachlassen. Der Vorgang bei Vodafone wiegt zu schwer, als dass man jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen könnte.

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