Handy-Osteraufzeichnung

Kommentar: Warnschuss aus den USA

Es ist nur eine kleine Meldung, die aber aufhorchen lässt: Die Justizministerin des US-Staats Illinois, Lisa Madigan, und der demokratische Senator Al Franken aus Minnesota verlangen von Apple und Google Auskunft über die automatische Aufzeichnung der Aufenthaltsorte von Mobiltelefon-Nutzern. Von Ralf Enders

Beide Firmen sollen zu Treffen einbestellen werden. Zwei US-Politiker - nicht aus der ersten Reihe, aber auch keine Leichtgewichte - beäugen die IT-Giganten misstrauisch. Zudem reichen verärgerte Kunden Sammelklage ein. In einem Land, in dem Datenschutz allenfalls als Auswuchs typischer „German Angst“ bekannt ist, kommt dies einem Paradigmenwechsel gleich.

Wenn selbst Amerikaner unsicher werden, was ihr Handy so alles ohne ihr Wissen treibt, müssten bei Apple, Google & Co. sämtliche Alarmglocken schrillen. Doch die Anbieter äußern sich noch immer nicht oder nur knapp zu dem Vorwurf aus der Vorwoche, dass iPhone- und Android-Geräte ohne Wissen der Benutzer den jeweiligen Standort automatisch aufzeichnen und - im Unterschied zur herkömmlichen Handy-Ortung - diese Daten auch über die aktuelle Situation hinaus monatelang speichern. Ein PR-Desaster.

Noch kann Apple auf den Markt bringen, was es will - die Kunden würden dem Konzern wahrscheinlich auch Klobürsten mit integrierten iPhones aus den Händen reißen. Doch wer sich seines Images so sicher ist, dass er die Grenze zur Arroganz überschreitet, lebt gefährlich. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs führt der Weg bekanntlich nach unten. Siehe Microsoft.

Insofern könnte die kleine Meldung aus den USA der Auftakt eines großen Wandels sein.

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