Der Falle entkommen

Kommentar zu häuslicher Gewalt

+
Peter Schulte-Holtey

Offenbach - Sie sind die Schwächsten der Gesellschaft – und dennoch: Für viele Kinder gehört Gewalt ihrer Mütter und Väter zum Alltag. Was besonders erschüttert: Traumatische Ereignisse wie wiederholte Misshandlung in der Kindheit werden vielfach von Generation zu Generation weitergetragen. Von Peter Schulte-Holtey 

Gewalt in der Kindheit wird zur „Elternfalle“. Wie dieser Kreislauf durchbrochen werden kann, war gestern Thema einer Fachtagung in Mainz. Das klare Signal der Sozialarbeitern, Berater, Wissenschaftler und Polizisten: Gewalt in engen sozialen Beziehungen ist keine Privatangelegenheit, sie geht uns alle an. Doch wie kann der Ausstieg aus dem Kreislauf häuslicher Gewalt gelingen? Sicherlich können sozial- und psychotherapeutische Angebote Auswege aus scheinbar ausweglosen Situationen und von Gewalt geprägten Beziehungen aufzeigen. Zu Recht wird aber auch immer wieder Vater Staat ins Spiel gebracht. Und es stimmt ja: Wenn der elterliche Instinkt schon so weit verkümmert ist, dann sollten Väter und Mütter mehr kontrolliert und zu einer verantwortungsbewussten Erziehung angeleitet werden.

Lesen Sie dazu auch:

Gewalt in den Familien bleibt für Außenstehende oftmals unerkannt

Kindergeld könnte an die Teilnahme bei Elternabenden gekoppelt werden; wenn die Familiengeschichte Zweifel aufwirft, dann sollten noch viel häufiger spontane Stichprobenbesuche zu Hause möglich sein; die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchen müsste genauer überprüft werden. Auch die Familienzentren, 121 davon gibt es bereits in Hessen, könnten bei der Prävention eine viel größere Rolle spielen; sie bieten Kinderbetreuung an und unterbreiten Bildungs-, Förder- und Erziehungsangebote, Eltern- und Lebensberatung. Es geht darum, ein Klima der Offenheit zu schaffen, damit sich Opfer trauen, ihre Leidensgeschichte zu erzählen – Hilfe anzunehmen.

Kommentare