Mund aufmachen

Kommentar zur Hetze bei Facebook

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Bundesjustizminister Heiko Maas will Facebook dazu bewegen, Hassbotschaften konsequenter zu löschen. Guten Morgen Herr Minister, Sie haben also nun auch bemerkt, dass es in dem Online-Netzwerk verstärkt zugeht wie im Wilden Westen.

Ohne Frage: Wie bei Facebook in der aktuellen Flüchtlings-Debatte teilweise menschenverachtend gehetzt wird, das hat eine neue Dimension erreicht. Doch unsere Redaktion und alle anderen Medienmacher im Land, die in dem Netzwerk Nachrichten verbreiten, spüren das seit Monaten am eigenen Leib: Es wird ohne Sachkenntnis gepöbelt, beschimpft, beleidigt. Selbst bei unscheinbaren, konfliktfreien Themen dauert es wenige Minuten, bis irgendein dummer Kommentar auftaucht, der wiederum andere Beiträge provoziert.

Und doch sind das real existierende Meinungen. Früher hat man sie in der Eckkneipe in einem geschlossenen Raum ausgetauscht – heute bekommen sie auf Facebook ein (halb-)öffentliches Forum. Und machen wir uns nichts vor: Schon damals waren die Stammtisch-Debattisten sicher, dass uns die Ausländer die Arbeitsplätze wegnehmen. In der Kneipe gibt es aber den Wirt, der seinen Gast bitten kann, den Mund zu halten – oder er schmeißt ihn halt raus.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist nicht so ein hartnäckiger Wirt. Von seiner Presseabteilung hört man nur Allgemeinplätze. Man nehme das Problem ernst, man überprüfe rund um die Uhr Kommentare, man glaube an die Selbstregulierungskraft der Internet-Gemeinschaft, die Hass und Hetze an Facebook meldet.

Die größten Shitstorms

Mal realistisch gesehen: Das Netzwerk hat weltweit über eine Milliarde Mitglieder! Selbst wenn dort echte Menschen sitzen, die Kommentare kontrollieren – wie groß müsste diese Abteilung sein, um diese gigantische Datenflut zu bewältigen?

Vielleicht hilft einfach das am besten, was in der Kneipe auch funktioniert. Mund aufmachen. Absurden, menschenverachtenden, rassistischen Meinungen widersprechen. Die Verbreiter anschwärzen und in der Diskussion an den Pranger stellen. Klingt auch wie Wilder Westen. Hilft aber kurzfristig mehr als auf die harte Hand von Mark Zuckerberg zu warten.

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