Kommentar zum Higgs-Boson: Standart der Materie

Kommentar: Faszinierendes Teilchen

Die Atomphysiker jubeln, der Rest der Welt versteht nur Bahnhof. Am Kernforschungszentrum Cern wollen sie ein neues Elemantarteilchen aufgespürt haben. „Higgs-Boson“ heißt der Superstar der Wissenschaftler, der anderen Teilchen Masse verleiht. Von Frank Pröse

Der letzte Beweis fehlt, gleichwohl ist Begeisterung unter Fachleuten groß. Von der „Entdeckung des Jahrhunderts“ spricht ein deutscher Experte. In den Internet-Foren sind die Wissenschaftler weniger euphorisch, weisen darauf hin, dass es sich lediglich um eine Beobachtung handelt und nicht um einen Nachweis. Also entbrennt ein Streit darüber, ob „Higgs-Boson“ bei einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million als „entdeckt“ klassifiziert werden darf.

Diese Debatte gehört in die Elfenbeintürme. „Auf der Straße“ interessiert, ob die Erkenntnis die Welt voranbringt. Doch wer weiß das schon? Es handelt sich schließlich um Grundlagenforschung. Aber auch die findet oft unverhofft ihren Weg in den Alltag. Ohne Einsteins Relativitätstheorie würden wir heute mit dem Navigationsgerät in der Weltgeschichte herumirren. Ein weiteres Beispiel: Der photoelektrische Effekt, für dessen Beschreibung Einstein den Nobelpreis erhielt, er wird bei Solarzellen und CCD-Kameras genutzt oder bei Lichtwellenleitern, die Gigabit-Netze erst ermöglicht haben.

Aber selbst, wenn das „Higgs-Boson“ nicht in unserem Alltag Fuß fassen sollte, so hilft das Teilchen uns bei der Neuordnung des Teilchenzoos, den wir aus der Schule kennen. Mit dem experimentellen Abstieg in die Welt des Allerkleinsten wird außerdem die Erkenntnis untermauert, dass die schweren Atome, aus denen auch wir Menschen bestehen, nach dem Urknall über Jahrmillionen erst noch in den Sternen unseres Universums produziert werden mussten. Am Cern versuchen sie, den stellaren Schöpfungsakt nachzustellen. Aber selbst wenn unser Universum zu hundert Prozent erforscht sein wird, so stellen sich Fragen nach dem, was außerhalb dieses Universums liegt - und wie das entstanden ist. Das alles liegt außerhalb unserer Vorstellungskraft. Auch deshalb fasziniert das Higgs-Teilchen. Da bedarf es keines streng wissenschaftlichen Beweises.

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