Thema Flüchtlinge

Kommentar: Ein Hoch den Helfern

Es ist eine Schande. Die Redaktion sieht sich genötigt, bei Flüchtlingsthemen im Internet die Kommentarfunktion auszuschalten. Aus Erfahrung klug geworden, wollen wir auf unserem Portal dem Hass auf Ausländer ebenso keinen Raum geben wie in der Zeitung.

„Unverschämt, diese Zensur“, schimpfen die so Ausgebremsten, geflissentlich ignorierend, dass es Schranken gibt und gerade Hetze gegen Fremde nicht vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt ist. Das gehört offensichtlich mal klargestellt. Vorsicht ist vor allem bei jenen angebracht, die sich vor allem über Ablehnung definieren, die „im Namen des Volkes“ im Kampf gegen die „Gutmenschen“ zusammenfinden, die den „gesunden Menschenverstand“ bemühen in ihren menschenfeindlichen Kommentaren. Die werden heute übers Internet ohne Hemmungen schneller und mit immenser Breitenwirkung unter die Leute gebracht.

Unter den Autoren finden sich über dieses elektronische Medium immer öfter auch solche aus dem bürgerlichen Spektrum. Rassismus hat somit eine neue Dimension erreicht, auch, weil ein Thema mit dem entsprechenden Fokus der Medien latent vorhandenes rechtes Gedankengut an die Oberfläche hievt. Dessen Vertreter gehören eben nicht mehr nur zur Sorte Verlierertypen mit Vorstrafenregister, kaum fähig zwei gerade Sätze jenseits ihrer braun-gefärbten Parolen formulieren zu können. Die sind übrigens in der Regel für die Ansprüche der Zivilisation verloren in dem Sinne, dass sie ebenso wenig argumentativ zu erreichen sind wie jene, die in Heidenau hinterm Transparent „Wir sind das Pack!“ versammelt die Deutschlandfahne in Gold-Rot-Schwarz schwenken, also gar nicht wissen, wo oben und unten ist. Für die ist in den meisten Fällen die Justiz zuständig.

Hunderte Flüchtlinge in Ungarn zu Fuß auf dem Weg nach Westen

Die anderen aber, die angesichts des Flüchtlingschaos nachvollziehbar Ängste vor Überfremdung und Besitzstandsverlusten formulieren, sie sollen von unserer Redaktion mit Beispielen für Menschlichkeit beworben werden. Unter anderem dafür steht unsere heutige Ausgabe, in der wir stichpunktartig in allen Redaktionen auf die vielen Flüchtlingsinitiativen und damit die große Hilfsbereitschaft verweisen, die in unserer Nachbarschaft nahezu selbstverständlich ist. Die Würdigung haben die ehrenamtlichen Helfer redlich verdient. Sicher: Integration bedeutet mehr als die Aufnahme im Verein, Sprachunterricht, Fußballfreikarten, kostenlose Badbesuche und Essensausgaben. Das wird sich auch hoffentlich bald schütteln und rütteln. Sind wir aber doch erst einmal mal froh, dass sich unsere Bevölkerung mehrheitlich von einer menschenfreundlichen Seite zeigt und die aus Nächstenliebe Hilfe für die Notleidenden nicht allein den Behörden überlässt, die sich gleichwohl letztlich diesen Aufgaben zu stellen haben.

Es gibt also jede Menge von Nachbarn, die die Fremden mit offenen Armen empfangen. Mit denen, die Schwierigkeiten damit haben, setzen wir uns übrigens gern auseinander. Wenn dann aber von Geschmeiß, Zudringlingen, von unzulässiger Völkervermischung, Umvolkung und Völkermord durch Überfremdung und Ähnlichem gefaselt wird, legen wir den Hörer auf und widmen uns lieber wieder den Helfern.

Rubriklistenbild: © dpa

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