Neuer Lebensmittelskandal

Kommentar: Wieder nur Eiertanz

Nach dem Pferdefleisch-Skandal der nächste Lebensmittelbetrug: Offenbar wurden Millionen Hühnereier fälschlicherweise als Bio- oder Freilandware deklariert. Von Peter Schulte-Holtey

Bei diesen Betrügern ist es wie in so manchen Bereichen der Lebensmittelindustrie: Erst einmal kassieren - in der Hoffnung, dass nichts ans Licht der Öffentlichkeit kommt. Gedankenlos geht es nur um den eigenen Profit.

Und die Reaktionen? Von Riesen-Betrug ist die Rede, von massiver Täuschung der Kunden, von enormem Schaden für die vielen Bauern, die ehrlich arbeiten. Verantwortung wird hin- und hergeschoben. Wieder nur ein Eiertanz: Politiker und Verbände fordern Sanktionen gegen die Kriminellen und wirksamere staatliche Kontrollen; Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sieht besonders die Länder in der Verantwortung usw. Was sollen diese unverbindlichen Sprechblasen? Es nützt doch nichts, immer weiter Gesetze zu verschärfen, man muss sie auch überwachen.

Den Angaben auf der Verpackung ist nicht zu trauen

Viele Verbraucher dürften sich in ihrer kritischen Haltung bestätigt fühlen, dass den Angaben auf der Verpackung nicht zu trauen ist. Das Gefühl der Machtlosigkeit wird vor allem die Bio-Kunden treffen. Sie möchten ja mit ihrem Kaufverhalten meist auch positiven Einfluss auf die Herstellungsweise von Lebensmitteln nehmen. Sollte es aber nun tatsächlich so leicht sein, Richtlinien für Bio-Eier zu umgehen, dann wird die Enttäuschung bei ihnen extrem tief sitzen.

Aber wer soll jetzt helfen? Der Blick fällt nun intensiver denn je auf die Handelsketten. Sie müssen von den Großhändlern, bei denen die Hühnerhalter ihre Ware abliefern, wesentlich bessere Kontrollsysteme verlangen. Sie sollten die Zahl der Stichproben erhöhen und eine ständige Beweispflicht mit nachvollziehbaren Angaben zu Flächen, Tierzahl und Futtereinkauf in den Betrieben einfordern.

Rubriklistenbild: © op-online

Kommentare