Jugendliche und Alkohol

Kommentar: Bloß kein Zeigefinger

Drei Nachrichten zum Thema Alkohol dieser Tage: Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist erstmals seit 20 Jahren gestiegen - zu einem beträchtlichen Teil waren betrunkene Fahrer schuld. Von Ralf Enders

Im Münchner Nahverkehr ist seit Sonntag Alkohol verboten - wie in vielen anderen Städten nach einschlägigen Exzessen. Und die Zahl jugendlicher Koma-Säufer steigt weiter - auch wenn sich immerhin weniger Kinder unter 15 besinnungslos trinken. Drei Spotlichter, die zeigen: Die Volksdroge Alkohol steht nicht nur für Spaß und Geselligkeit, sie ist ein veritables gesellschaftliches Problem.

Erwachsene mögen sich davor hüten, über die hemmungslose Jugend den Kopf zu schütteln; sie geben dem Nachwuchs auf Privatfeiern und Weihnachtsmärkten prächtigen Anschauungsunterricht in Sachen Saufen. Wir glauben an den lieben Gott und ham auch immer Durst ... Einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Genussmittel vorzuleben, sollte zu den vornehmeren Aufgaben von Eltern gehören. Doch Alkohol ist der zweithäufigste Grund, warum Erwachsene in einer Klinik landen.

Der Staat prostet derweil fleißig mit, allen naiven Anti-Alkohol-Kampagnen zum Trotz. Wenn die Politik schon den alles bestimmenden Gesundheits-Sheriff gibt - worüber sich durchaus streiten lässt -, ist längst nicht mehr einzusehen, dass Tabak geradezu als Werk des Teufels dargestellt wird, während Alkohol im Umfeld von Superstar-Shows und Sportübertragungen massiv beworben wird.

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